Und Buster? Der Mathelehrer prophezeit ihm, dass er mit seinen ungenügenden schulischen Leistungen nicht mal Straßenkehrer werden kann. Aber Buster hat sowieso ganz andere Pläne. Zaubern kann er wirklich toll, meterlange Papierschlangen zieht er aus seinem Mund, ganz genau siebzehn Meter und sechsundachzig Zentimeter buntes Papier. Er zaubert Eier herbei und unterhält sein Publikum mit spektakulären Tricks. Und er verzaubert die Menschen. Ohne Trick sondern mit seiner unwiderstehlichen Art. Leicht hat er es nicht im Leben, aber er macht das Beste daraus. Seine jüngere, behinderte Schwester, die alte Nachbarin oder der mürrische Milchmann, für den er Botengänge macht: alle erliegen Busters Charme. Wenn es sein muss, hat er es faustdick hinter den Ohren und seine Feinde müssen mindestens so viel einstecken wie er. Gelegentliche Pannen können bei so viel leidenschaftlichem Einsatz nicht ausbleiben:
Der Schulleiter winkte Buster hinaus, mitten in einem Ei. Buster ging mit dem Ei in den Mundwinkeln hinaus. Aber als er das Vorzimmer betrat, fiel ihm der spitze Hut ein, und er kehrte deshalb noch einmal um. Der Schulleiter saß jetzt mit dem Rücken zur Tür und telefonierte weiter. Buster wollte nicht stören, andererseits hatte er ja seinen besten Trick noch nicht vorführen können; den, wo er einen Nylonstrumpf über den Kopf zog und sich dann scheinbar zehn Stricknadeln in die Ohren steckte. Er entschloss sich, die Übung schon mal vorzubereiten, bis der Schulleiter sein Telefonat beendet hatte. Schnell brachte er den Nylonstrumpf in Stellung und hatte schon drei Stricknadeln halbwegs in den Ohren, als der Schuleiter den Hörer hinlegte und sich umdrehte.
Buster lächelte freundlich hinter dem Strumpf und dachte, das würde den Schulleiter sicher auf andere Gedanken bringen. Es sollte sich aber herausstellen, dass der etwas nervenschwache Schulleiter völlig aus den Nähten platze beim Anblick des lächelnden Busters. Er brülle wie ein Stierkalb im März und stolperte über seinen Bürostuhl mit Rollen, der ihn zu einer Sitzgruppe fuhr, wo er eine Vase mit zehn Tulpen auf den Boden warf. Zu dem Zeitpunkt kamen die Sekretärin, die Kaffeedame und die Reste der Teilzeitkraft zur Tür hereingaloppiert.
„Weg mit ihm, weg mit ihm!“ krächzte der Schulleiter; und während die Kaffeedame Busters Rechenlehrer holte, kündigte die Teilzeitkraft ihre Stellung.
Der dänische Autor Bjarne Reuter schildert in Buster einen ungewöhnlichen Jungen, begleitet ihn durch seinen Alltag und erzählt mit viel Sympathie und Witz von Höhen und Tiefen und von einer zarten Liebesgeschichte. Der wunderbare Optimismus, der von dem liebenswerten Helden ausgeht, ist einfach ansteckend. Er ist etwas Besonderes, klar: So einen wie mich kann man nicht von den Bäumen pflücken, sagt Buster.
Andrea Wanner
Bjarne Reuter: So einen wie mich kann man nicht von den Bäumen pflücken, sagt Buster Aus dem Dänischen von Sigrid Daub.
Carlsen 2003. Broschiert. 184 Seiten.
Ab 10 Jahren. 6,90 ¤.
ISBN: 3-551-35132-5