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Freitag, 25. Mai 2012 | 21:58

Irene Gunnesch: Faule Frieda

27.06.2011

Ein Plädoyer für die Faulheit

In einer hektischen Welt, in der die Menschen von morgens bis abends unterwegs sind, elaborierte Zeitpläne auch schon die Tage der Kleinen bis zur letzten Minute verplanen, scheint Faulheit das Letzte zu sein, was die Welt braucht. ANDREA WANNER schnauft an der Seite von Frieda einmal richtig durch.

 

Faultiere findet man in den Baumkronen der tropischen Regenwälder von Mittelamerika und dem Amazonasbecken bis zum südlichen Brasilien. Und da hängen sie nun fast ihr gesamtes Leben an einem Ast, mit dem Rücken nach unten an ihren gebogenen Klauen, die als Haken fungieren. Eines von ihnen ist Frieda.

 

Frieda hängt im Baum, sieht die Welt auf dem Kopf, vespert ab und zu ein Blättchen und verlässt nur einmal in der Woche den Baum, wenn die Verdauung es notwendig macht. Ansonsten ist sie faul, zufrieden und glücklich. Klar, dass das auf manchen Aktiven provozierend wirkt. Ein Affe, der den lieben langen Tag kreischt, hüpft und unermüdlich unterwegs ist, bringt es auf den Punkt:

 

He du! Unnützer Blättchenfresser!
He! Hängebeutel! Fauler Sack!
Du solltest springen wie wir Affen.
So läuft das heut‘! Und zwar zack, zack!

 

Das Faultier verdrießen diese Schmähreden nicht im Mindesten. Frieda ist eben nicht nur faul, sondern tatsächlich entspannt. Sie antwortet dem Affen nicht einmal denkt sich lieber ihren Teil. Denn sie ist längst der Meinung, dass es schon mehr als genug von denen gibt, die lauthals schreiend durch den Tag hektiken. Und so scheinen die Positionen unvereinbar.

 

Perspektivenwechsel

Irene Gunnesch erzählt eine Fabel, die weit weg von uns stattfindet und deren Moral doch so schlicht und simpel in unser aller Leben passt. Denn der gestresste Affe lässt sich tatsächlich auf Friedas Einladung ein und wirft hängend einen ganz neuen Blick auf die Welt. Ein Blick, der auch ihn, den Aktiven, manches überdenken lässt. Die Illustratorin Heide Stöllinger hat für die beiden ein herrliches  Buntstiftparadies geschaffen mit exotischen Blumen, riesigen Schmetterlingen aber auch einer gaffenden, lauten Touristengruppe und vielen anderen Tieren. Faule Frieda ist ein Vorschlag an alle, einmal innezuhalten, durchzuschnaufen und Abstand zu gewinnen. Dem Affen hat’s geholfen.

 

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