Was sollen die Wörter und Sätze, die kein normaler Mensch je so sagen würde. Unverständliches Zeugs, das ihm Rätsel aufgibt. Und dann will seine Lehrerin auch noch, dass die Schüler sich von der Lyrik zu eigenen Gedichten inspirieren lassen. In Jacks Augen ist das bestenfalls für Mädchen geeignet. Aber was bleibt ihm anderes übrig. So reiht auch er Wort an Wort, kopiert die Ideen der wortgewandten Meister, verändert, lernt dazu, hält den ganzen lästigen Prozess in einem Tagebuch fest - und nähert sich Seite um Seite fast unmerklich seinem persönlichen wunden Punkt: der unverarbeiteten Trauer um seinen Hund Sky.
Man soll vorsichtig mit dem Begriff "Meisterwerk" umgehen. Sharon Creechs kleines Buch ist eines. Ihr Ausgangspunkt - Wer interessiert sich in unserer Zeit schon für Lyrik? - könnte nicht treffender sein, ihre Beschreibung des verständnislosen "Hääääh…..?" angesichts moderner Lyrik trifft den Nagel auf den Kopf und ist das Problem moderner Kunst wohl generell. Wer sie nicht versteht, ist schnell der Meinung "das könnte ich genauso!". Ein Gedicht von William Carlos Williams von 1938 "Die rote Schubkarre" veranlasst Jack zu folgendem Tagebucheintrag:
"Wenn das ein Gedicht ist,
das über die rote Schubkarre
und die weißen Hühner,
dann können alle Wörter
ein Gedicht sein.
Man muss nur
kurze
Zeilen
machen."
Da spricht der Banause, der auf dem richtigen Weg ist. Eine unverdrossene Lehrerin versucht ihre Schüler weiter zu motivieren und füttert sie mit amerikanischer Lyrik. Robert Frost, William Blake, Valerie Worth, S.C.Riggs, Arnold Adoff, Walter Dean Myers - große Namen neben bei uns eher unbekannten Autoren. Ganz unterschiedliche Gedichte stellen Jack vor Rätsel, provozieren ihn und wecken irgendwie doch seine Neugierde. Wir begleiten ihn auf seinem erstaunlichen Weg, den er selber nicht ganz begreift. Der Hund Sky spukt dabei immer in Jacks Kopf herum. Erinnern kann wehtun. Und Jack will nicht über Sky schreiben, weil es ihn zu sehr schmerzt. Der beste Hund der Welt wurde für uns von der Münchner Illustratorin Rotraut Susanne Berner zum Leben erweckt und geistert als sympathischer Vierbeiner durch das kleine Buch. Am Ende schreibt Jack das längst fällige Gedicht über Sky und er hat begriffen, wozu Lyrik gut ist: man kann damit tatsächlich Gefühle in Worte fassen.
Andrea Wanner
Sharon Creech: Der beste Hund der Welt.Aus dem Englischen von Adelheid Zöfel.
Mit farbigen Bildern von Rotraut Susanne Berner.
Fischer Schatzinsel 2003. Gebunden. 92 Seiten.
Für alle. 10,90 ¤.
ISBN: 3-596-85113-0