Gallopierend reiten Tanja, Anna, Simone, Kathrin und wie sie alle heißen dem Sieg entgegen, erleben spannende Abenteuer auf dem Pferderücken, wo angeblich das Glück dieser Erde liegt. Und wenn man nun Pferde einfach nicht leiden kann? Wenn man diese riesigen Vierbeiner alles andere als süß findet? Wenn man keine Lust hat, auf so ein Vieh zu klettern, weil man das Runterfallen fürchtet? Mit Jenny erwacht endlich eine Heldin zum Leben, die Pferde blöd findet und das deutlich zum Ausdruck bringt:
"Nein, nein und tausendmal nein!", brüllte ich und schmiss mich aufs Sofa. Ich war so wütend, dass ich am liebsten gestrampelt hätte wie ein kleines Kind. "Ich will nicht allein hier bleiben, und zu Tante Inge will ich schon gar nicht und erst recht nicht zu den doofen Pferden!"
"Jenny." Mama beugte sich zu mir hinunter, weil ich mich ganz zusammengerollt und die Arme über den Kopf gelegt hatte. Sie seufzte. "Wir würden dich ja gern mitnehmen, aber es geht nun mal nicht. Wir machen dort keine Ferien und können uns nicht um dich kümmern."
Sie streichelte mir über den Kopf, aber ich hätte sie am liebsten gebissen.
Ich ruckte mit dem Kopf weg und knurrte: "Um mich braucht sich keiner zu kümmern. Ich bin schon zwölf und da ist man schon gut erwachsen."
Für Jenny klingen die Sommerferienpläne, die die Eltern ihr zumuten, wie ein Alptraum. Sechs Wochen soll sie bei Tante Inge auf dem Kümmelhof verbringen, wo sich von morgens bis abends alles nur um Pferde dreht. In diese Zeit fällt auch noch ausgerechnet ihr zwölfter Geburtstag und Jennys Laune ist denkbar mies. Sie bessert sich auch vor Ort nicht. Angefangen beim Stallgeruch findet Jenny alles widerlich, was mit Gäulen zu tun hat. Und ihre Kusine Karola, die ein Pferdenarr ist und die Ferien auch bei Tante und onkel verbringen darf, tut ein übriges, um Jennys Abneigung zu festigen. Nina Schindler schreibt ein Antipferdebuch, in dem Pferde die Hauptrolle spielen. Seite um Seite erfahren wir, was es an notwendigen Arbeiten auf einem Pferdehof gibt, wie die Fachbegriffe und all die Gerätschaften heißen, eben alles, was Pferdefreunde so beschäftigt. Jenny ist die außenstehende Beobachterin, die in diesem Sommer ganz andere Leidenschaften für sich entdeckt: das Zeichnen und das Kochen. Sie bleibt skeptisch und reserviert, auch nachdem sie durchaus positive Erlebnisse gemacht hat. Wenn wir noch bangen, ob sie sich auf der vorletzten Seite nicht doch auf einen Sattel schwingt, muss man der Autorin am Ende zu ihrer standhaften Heldin gratulieren. Jenny reitet nicht und wird wohl nie reiten. Jennys Pferdesommer erzählt auf unterhaltsame Art und nicht ohne Ironie, wie man auch ohne die Vierbeiner glücklich sein kann - erstaunlicherweise wird das Pferdefreunde und Pferdeskeptiker gleichermaßen amüsieren.
Andrea Wanner
Nina Schindler: Jennys Pferdesommer.Mit Bildern von Kerstin Meyer.
Gerstenberg 2003. Gebunden. 154 Seiten.
Ab 10 Jahren. 11,50 ¤.
ISBN: 3-7891-3148-2