Kennzeichen T - 25.05.2012 Men in Black 3 - jetzt im Kino! TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) von Michael Ebmeyer Andrea Maria Schenkel: Finsterau "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert
Freitag, 25. Mai 2012 | 22:01

 

Beate Dölling: Mama verliebt / ab 11

25.03.2004

 




Ein turbulentes Familienleben ist die knapp zwölfjährige Mara gewöhnt.




 

Schließlich haben ihre beiden freiberuflich tätigen Eltern - die Mutter schreibt, der Vater entwirft Grafiken - schon immer sehr eigene Ansichten. Maras Mutter Susanne tut alles, um der "Mutterfalle" zu entgehen und ist auch mit zwei Töchtern - Mara hat noch eine dreieinhalbjährige Schwester - eine berufliche erfolgreiche, unabhängige Frau. Trotzdem ist die Familie in keinster Weise auf das vorbereitet, was über sie hereinbricht. Erste Anzeichen sind Verträumtheit und Vergesslichkeit der Mutter, die Eltern reden ständig "Klartext" miteinander. Bei einem Essen mit Mamas Arbeitskollegin Olga platzt die Bombe:

Ich habe Hunger und will schnell essen und dann raus hier und endlich Lizzy erreichen, und gerade, als sich bei mir wie ein Nachtgespenst mit Flügeln der Gedanke einschleicht, dass ich ja Ilias mal kurz anrufen könnte, nur um zu fragen, wie weit er mit seinem Aufsatz ist, sagt Papa, als wär`s nur der Wetterbericht: "Eure Mama ist verliebt."
Olga lächelt uns an. Mama pustet in ihren Spinat ohne uns anzugucken. Mucki schmatzt extra laut und hört plötzlich auf zu kauen. "Verliebt?", sagte sie. "Mama verliebt?" scheint ihr zu gefallen. Sie sagt es noch ein paar Mal wie einen Refrain und freut sich. Papa huscht mit einem schüchternen Blick über Olgas Gesicht und schaut erst Mama und dann mich an.
"Ihr wisst ja", sagt er leise, "ich bin dafür, dass wir in der Familie die Karten auf den Tisch legen."
Er hustet sich einen Frosch aus dem Hals. Vielleicht ist es aber auch schon ein Raucherhusten. Er sieht sehr blass aus. "Das ist eine Situation, die uns schließlich alle angeht. Eure Mama hat sich in Olga verliebt."

Mama verliebt - das ist eigentlich schon schrecklich genug. Aber in eine Frau? Mara kommt damit kein bisschen klar, reagiert mit Trotz und Wut. Dabei hatte das Leben gerade angefangen interessant zu werden: ihre beste Freundin Lizzy hat sich verliebt und Mara hat auch den Jungen ihrer Träume entdeckt. Und jetzt das. Beate Dölling lässt uns die Ratlosigkeit eines Mädchens hautnah miterleben. Von ersten Ahnungen über Spekulationen, was die beiden Frauen denn miteinander im Bett so tun, werden Maras Gefühle und Gedanken mit seismographischer Genauigkeit aufgezeichnet. Aus ihrer Perspektive wird die Ungeheuerlichkeit der neuen Situation geschildert, auf die die kleine Schwester mit Heulkrämpfen, die Großmutter mit blankem Entsetzen und der Vater mit bemühtem Verständnis reagiert. Mara ist überfordert, klaut Olga sogar den Geldbeutel, flüchtet sich in eine Krankheit, nur um ihre Ruhe zu haben. So ernst das Thema ist: nie werden Gespräche und Situationen ohne Humor erzählt. Es nützt nichts, Olga ist eine neue Tatsache in Maras Leben und sie muss sich damit auseinandersetzen. "Mama ist seit September lesbisch" klingt furchtbar. Aber gibt es tatsächlich andere Formen der Liebe, ist Mamas Herz vielleicht so groß, dass alle darin Platz haben? Eine spannende Auseinandersetzung mit Lebensentwürfen, traditionellem Rollenverständnis und neuen Formen des Zusammenlebens.


Andrea Wanner


Beate Dölling: Mama verliebt.
dtv junior 2003. Broschur. 192 Seiten.
Ab 11 Jahren. 7 Euro.
ISBN: 3-423-70787-9

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

No sleep till Pixel

Auf einem gewissen Panel der diesjährigen re:publica lief RUDOLF INDERST dem Berliner Dennis Liebzeit ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Galgenmännchen auf Finnisch

Freiheitsdrang und Träume können riskant sein. Wie riskant, muss der 12jährige Taifun erfahren, der zu seinem eigenen Besten in eine besondere Schule geschickt wird, dem Haus der ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...

Mathias Tretter möchte nicht dein Freund sein - Tourplan 2012

»Kabarettisten sind von der schnellen Truppe, zumal solche wie Tretter, die nicht dem allfälligen Comedy-Genre anhängen, sondern richtiges, politisches Kabarett machen ...« ...

No sleep till Pixel

Auf einem gewissen Panel der diesjährigen re:publica lief RUDOLF INDERST dem Berliner Dennis Liebzeit ...