Hugo allein daheim, das wäre doch die Gelegenheit für einen schlauen Hund, endlich mal als das zu tun, das garantiert nicht erlaubt ist, wenn einer da ist. Und Hugo macht sich an die Arbeit. Er geht ganz systematisch vor, erstellt zunächst am Computer einen genauen Plan, was er alles vorhat und setzt den dann in die Tat um. Klar, dass zuoberst auf der Liste das Leerfressen des gut gefüllten Kühlschranks steht. Eine Party mit Freunden bis nach 22 Uhr versteht sich auch von selber. Unerlaubtes Telefonieren (nach Amerika!), ein Schaumbad und das Schlafen in allen Betten kostet Hugo genauso aus wie viele andere verbotene Dinge.
Aber komisch: es macht gar keinen richtigen Spaß! Wir hatten es schon geahnt: Alleinsein klingt so herrlich verlockend. Mal unzensiert den Fernsehapparat einschalten, ins Bett wann man Lust dazu hat (und wer hat schon irgendwann Lust zu so was), essen, wonach einem der Sinn steht, überhaupt alles tun und lassen, ohne Ermahnungen: so stellt sich Hund (und Kind) das Paradies vor. Gut, Hunde haben vielleicht noch ein paar Vorlieben wie Hühner jagen oder Katzen ärgern, die Kinder nicht unbedingt teilen. Aber sonst? Wäre das nicht eine tolle Sache? Sibylle Vogel hat für den Hundetraum vom Alleinsein witzige, fantasievolle Bilder gefunden, die zum Weiterspinnen einladen. Was fällt einem noch alles ein, das man tun könnte? Oder ginge es einem vielleicht am Ende wie Hugo? Der hat nämlich schlicht Heimweh nach seiner Familie und beißt vor lauter Verzweiflung den Briefträger ins Bein. Dem fällt vor Schreck die Post aus seiner Tasche und - welch Wunder! - direkt vor Hugo landet eine Postkarte:
An Hugo, Hund
Halte durch! Wir kommen bald zurück!
Jetzt können wir wirklich alle aufatmen. Hugo hatte seinen Spaß und das Happy End, eine glücklich vereinte Familie, ist nah! Vielleicht doch keine schlechte Idee, mal allein daheim zu sein.
Andrea Wanner
Sibylle Vogel: Hugo allein daheim.Picus Verlag 2003. Gebunden. 36 Seiten, durchgehend farbig.
Bilderbuch ab 3 Jahren. 12,90 Euro.
ISBN 3-85452-865-5