Lieben lernen
Lembcke und Neuhaus erzählen ihre Geschichte knapp und schonungslos. Worte wie Bilder sind voller Wut und Gewalt. Envälita blickt im besten Fall grimmig in die Welt, meist aber düster und zornig. Neuhaus stattet ihn mit einem übergroßen Kopf aus, der im Wortsinn die Zähne zeigt. Geschirr fliegt umher; wenn Envälita die kleine Katze anschreit, vibrieren die Bilder, Zeichnungen und Foto-Collagen, förmlich unter der Wucht seines Zorns. Ebenso bedrückend kommt seine Einsamkeit zum Ausdruck. Der Zimmerschmuck, den er sich gönnt, ist ein Kaktus. Das Bad gleicht einem Gefängnis, der Wald, der ihn umgibt, steht schwarz und bedrohlich. Envälita, der ihm am Anfang glich, schleicht schließlich mit eingezogenen Schultern hindurch ins Dorf, das er sonst gemieden hat. Das Dorf empfängt ihn freundlich, die Zähne, die hier zu sehen sind, sind ebenso beeindruckend, wie Envälitas wutgefletschtes Gebiss, aber hier sind sie das Zeichen von Lächeln. Envälitas Umkehr kommt langsam, sein Leiden wird nicht ausgespart. Es ist eine Geschichte starker Gefühle.
Dass sie gut ausgeht, ist keineswegs selbstverständlich. Am Ende ist Envälitas Gesicht geradezu schön mit seinem Ausdruck von Zuneigung für die kleine graue Katze. Klar dass auch der Kaktus noch blüht. Liebe ist eben doch die bessere Lösung. Dieses außergewöhnliche Bilderbuch ist eine künstlerisch ausgezeichnet umgesetzte Warnung nicht nur an kleine Trotzköpfe.
