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Freitag, 25. Mai 2012 | 22:06

Elisabeth Vera Rathenböck/ Anna Anastasova: Emmi will ausziehen

26.09.2011

Das große Déjà-vu

Kinder können manchmal unausstehlich sein, so wie die kleine Emmi. Dann  gibt es Krach mit den Eltern. Mama und Papa wünschen sich ein braveres Kind, und die lieben Kleinen wollen nur noch eins: weg. Elisabeth Vera Rathenböck und Anna Anastasova können ein Lied davon singen, denn Emmi will ausziehen, und VIOLA STOCKER weiß auch schon wohin: zu Lotta.

 

Wer von den Kleinen und Großen kennt das nicht: schon beim Aufwachen läuft alles schief. Emmi hat schlecht geträumt und in diese negativen Erinnerungen platzt ausgerechnet eine übellaunige Mutter, deren Ordnungssinn dem eigenen diametral entgegengesetzt ist. Emmis Laune bessert sich nicht, als sie sich für einen Besuch bei Tante Bea auch noch hübsch anziehen soll. Sie beschließt also das zu machen, was sie offensichtlich gut kann: unausstehlich sein. Statt zartrosa Prinzessinnen-Outfit wählt sie müffelige Outdoorklamotten, sie zappelt auf den Stühlen, bohrt in der Nase, meckert über Tante Beas Kuchen.

 

Nichts wie weg

Kein Wunder, dass Emmis Eltern nur noch nach Hause wollen. Emmi  hat ihrerseits ebenfalls genug von der ständigen Schelte der Eltern, die sich doch offensichtlich  ein ganz anderes Kind wünschen, nämlich eine Rosi Rosarot. Also schultert sie die Konsequenzen und riskiert den Sprung in die Einsamkeit – nicht ohne zuvor noch ein paar rosarote Accessoires zu verunstalten. Glücklicherweise steht das Gartenhaus leer, dorthin zieht Emmi um. Das ist auch anfangs recht lustig, wenn die Eltern vorbeischauen und für Picknick sorgen. Als jedoch der Abschied naht, bekommt Emmi kalte Füße und beschließt kurzerhand, doch nicht auszuziehen und ihr schlechtes Benehmen samt Rosi Rosarot zumindest zeitweise auszuquartieren.

 

Chancen verpasst

Die Geschichte klingt so hübsch und wäre perfekt – hätten nicht alle lesebegeisterten Eltern und Kinder sie längst gelesen: Emmi will ausziehen liest sich über weite Strecken wie Lotta zieht um von Astrid Lindgren. Nun können aktualisierte Remakes tatsächlich erfrischende Blickweisen auf Altbekanntes eröffnen, aber hier sind die Ähnlichkeiten zu banal: der schlechte Traum, die verhassten Kleidungsstücke, die zerschnitten werden, der Umzug ins Gartenhäuschen, der Abschied von den Eltern, es ist alles haargenau wie bei Astrid Lindgren, nur ohne deren Genialität. Die Geschichte weist immer wieder Gedankensprünge auf – in ein Bilderbuch passt schließlich weniger als in eine Erzählung - die den Lesefluss lästigerweise beeinträchtigen und Erklärungen erfordern.

 

Anna Anastasova hat Elisabeth Vera Rathenböcks Geschichte dafür hübsch illustriert, einer der wenigen Vorteile, gerade wenn man kleineren Kindern vorliest und von Lindgren nur eine Gesamtausgabe besitzt. Die meist doppelseitig gehaltenen Illustrationen erzählen von der Geschichte oft mehr als das Geschriebene und halten sich trotzdem nicht mit überflüssigen Details auf. Ein Blick auf die Gesichter und Körperhaltungen beweist auch, dass Anastasova sich längst einen eigenen Stil zugelegt hat, dessen Stempel sie dem Ganzen aufdrücken will.

 

Dadurch bleibt Emmi will ausziehen ein nettes Kinderbuch, dessen hauptsächlicher  – und leider grundlegender – Makel die Tatsache ist, dass ausgerechnet eine der wichtigsten Kinderbuchautorinnen der Welt es vor vielen Jahrzehnten schon geschrieben hat.

 

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