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Samstag, 04. Februar 2012 | 13:39

 

Stewart O Nan: Halloween

14.03.2004



Nichts als Gespenster

In ONans Halloween suchen die Geister der Vergangenheit eine typisch amerikanische Kleinstadt heim. Leider funktioniert die Verbindung aus Alltagsmythen und leicht musealem Stil überhaupt nicht.


 

Nichts als Gespenster, könnte man sagen. So ähnlich lässt sich zumindest die Allegorie lesen, auf der Stewart ONan seinen neuesten Roman konstruiert. Der eigentliche Plot ist dabei schnell erzählt: Ein Jahr nach ihrem tödlichen Autounfall an Halloween kehren drei tote Jugendliche an den Ort des Unglücks zurück, um den beiden Überlebenden - der eine mit einem bleibenden Hirnschaden zum Pflegefall geworden, der andere mit Selbstmordabsichten - zuzuschauen, wie sie den Tag verbringen. Auch der Polizist, der sich die Schuld an dem Unfall gibt, sowie die Eltern und Freunde der Opfer werden "heimgesucht".

Die Geister, die man ruft

Der Clou dabei ist, das wird schnell (und etwas zu oft) erklärt: Die Geister müssen "gerufen" werden und sind dann auch in der Pflicht, an einem Ort zu erscheinen. So erleben wir aus der Perspektive eines Gespensts, wie eine amerikanische Kleinstadt mit einer Tragödie umgeht. Das ist meist ernst, manchmal gewollt lustig, aber nie richtig überzeugend. Abgesehen von der alles umfassenden Allegorie, das die Geister der Vergangenheit nun mal zurückkehren, um die Menschen heimzusuchen, bleibt nicht viel übrig, was vor allem an ONans Schwierigkeiten liegt, eine Geschichte zu erzählen.

ONan ist in diesem Sinne ein sehr europäischer Autor, der dummerweise uramerikanische Themen und Motive behandelt. Sprache und Objekt nähern sich bei ihm meist nicht an, das war schon die Problematik in seinem Debütroman Engel im Schnee und dem darauf folgenden Werk Die Speed Queen. Die häufige Erwähnung von amerikanischer Popmythologie, von der expliziten Nennung von Ladenketten und Schokoriegeln bis hin zur Popmusik - die verunglückten Jugendlichen hörten im Auto zuletzt die Smashing Pumpkins, aua ... -, deutet darauf hin, dass hier ein Autor den amerikanischen Traum durchleuchten und entlarven will, was ihm jedoch zu keinem Zeitpunkt überzeugend gelingt.

Dass ONan in Sommer der Züge ein viel geeigneteres Setting für seine umständliche Erzählweise gefunden hatte, hätte ihn von einer weiteren Beschäftigung mit amerikanischer Alltagsmythologie abhalten sollen. Es überrascht wenig, dass dieser Roman gerade in Deutschland wieder frenetisch rezipiert wird, denn der Autor verpackt seine Alltagsthemen in einer reflektierenden, intellektuellen Wundertüte, die den Geschichten, die er zu erzählen gedenkt, leider niemals angemessen ist.

Sascha Seiler


Stewart O Nan: Halloween. Aus dem Amerikanischen von Thomas Gunkel. Rowohlt 2004, 256 S., 19,90 ¤. ISBN: 3498050338


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