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Freitag, 25. Mai 2012 | 22:07

 

Helga Pogatschar: INNANA

30.03.2004

 



Radio Babylon

Helga Pogatschars Inferno





 

Was wird da alles aufgefahren! Ein neues Genre: Hörkino. Eine neue Gattung: die Zählung. Eine neue Sprache: Sumerisch. Ein uralter Text: 4000 Jahre. Innana, die Hure Babylon, ein Art weiblicher Jesus? Das wird begeistern! Zudem noch Assyriologen, Layoutkunst, graphische Gedichte, historische Exkurse, Electronics, Obertongesang und Bassklarinette. Menschenskinder...

Ja, es ist verdächtig. Hier wird etwas überdeckt. Etwas Dürres. Als da wären: eine zusammengeschusterte, historisch nicht gesicherte Story, dazu eine Übersetzung mit echtem Anspruch und natürlich voll geheimnisvoller Sound. So was nennt man Collage, glaube ich. Das Problem: Hören will das keiner! Da kommen die potenten Marketingstrategen von Chrom Records gerade recht und haben sich was einfallen lassen für diese degenerierte, bildlüsterne Welt: Hörkino.

Machen wir´s kurz. Innana, die Göttin des Kampfes und der Liebe (sic!), steigt ziemlich overdressed in die Unterwelt hinab. Warum weiß keiner. Der Text verrät nur dunkel: Innana verwarf den Himmel, verwarf die Erde, in den Berg hinabzusteigen. Dort wird sie jedoch zu einem Stück zerschlagenem Fleisch. Man beachte stets die Poesie. Nach drei Tagen erschafft Vater Enki aus Daumennageldreck die Diener Schwuchti und Wuchti, deren Namen in der Übersetzung - wie der Texter Koller versichert - nur deswegen so lauten, weil man damals schon ziemlich ironisch und lustig sein konnte, und - sieh an! – sogar Transvestiten in Tempeldiensten standen. Gehet hin, Schwuchti, Wuchti, rutscht auf eurem Po in die Unterwelt hinunter, befiehlt Enki ihnen sensibel biblisch. Und mit Kraut und Wasser des Lebens aufersteht Innana dann wieder. Einzig, ein Opfer muss dafür erbracht werden. Die Bedienstete Innanas bleibt verschont, ebenso ihr Friseur, doch dem flötenden Hirten Dumuzi geht´s an den Kragen. Ende.

Optisch wirkt die CD wie frisch ausgegraben und neugeboren – der Heldin also nicht ganz unähnlich. Das Booklet voller Text, Sumerisch-Deutsch, die zahlreichen Essays in Deutsch-Englisch - alles graphisch im Pop.

Ja, hinter all dem steckt viel Mühe – und das hört man leider. Zudem klingt vieles nach „Radio Inferno“ von Andreas Ammer und FM Einheit, ist nur deutlich dimensionsloser. Und stattet man den Homepages von Helga Pogatschar und Karoly Koller einmal einen Besuch ab, trifft man häufig auf das Wort monumental. – Ganz verdächtig.

Christoph Pollmann


Helga Pogatschar: INNANA Chrom Records, LC 02250, VÖ: 04.August 2003 indigo CD 25282, Preis:16,99 Euro

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