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Freitag, 25. Mai 2012 | 22:07

 

Ulrich Ritter: Goethes Geliebte

12.04.2004

 
„Höhere Begattung?“ – „Scheißig gestrandet!“

Vor drei Jahren auf Kassette, jetzt auf CD. „Goethes Geliebte“ heißt die Produktion von steinbach: Eine wilde Knüpfarbeit aus 42 Vers-, Brief-, Roman- und Tagebuchfragmenten. 76 Minuten Schmerzherz - da hilft auch ein Ulrich Ritter mit fuchtelnder Stimme nichts.

 

Lotte, Charlotte, Friederike, Ulrike, Kätchen, Lili, Marianne, Minchen, Christiane und die sagendunkle Faustina, das Schenkenluder aus Rom! Zehn Weiber soll er gehabt haben unser Großoeter, der bunte Weimaraner? Sein Busen fühlte jugendlich sich erschüttert, vom Zauberhauch, der ihre Züg´ umwittert, entschuldigt sich der verschämt.

Endlich der Mensch, nicht mehr der Abgott!, ruft dankbar das Volk. Und Goethe fällt an die deutsche Brust uns wie ein verlorner Sohn - als hätte der zuvor nur Säue gehütet.

Im Tal und auf der Höh´

Es ist schlicht nicht zu verdauen, was hier angerichtet wurde. Da fließt die Werthersche Sentimentsoße über die drallen Schenkel der Faustina, da geht einer so für sich hin – und plötzlich nahen sie sich wieder, die schwankenden Gestalten! Dann schlägt ein Herz im holden Tal, auf schneebedeckten Höhen. Und an einem grauen, trüben Morgen leuchtet herrlich die Natur...

Alles für sich – jederzeit. Alles zusammen – niemals! Da helfen auch keine Intermezzi von Schubert, Mozart, Beethoven. Eine kleine Ablenkung von der großen Katastrophe. Schiff geht unter, Kapelle spielt.

Kunst und Krempel

Dabei sollte es doch ein Gesamtkunstwerk werden: Layout, Dramaturgie, Inszenierung, Interpretation und Kommentare – alles aus einer Hand! Herausgekommen ist nicht mal ein Gesellenstück. Dramaturgie gibt´s nicht, Inszenierung muss ja wohl. Und ist das Layout noch von charmantem Dilettantismus, so sind die Kommentare freche Nabelglotzerei. Da sinniert Ulrich Ritter als 6-Jähriger über den Faust, „... den er kaum verstand, aber doch begriff.“ Überdies lernen wir, dass Ritters Patin, Else Wappler, Enkel-Schülerin Liszts war. Was in Goethes Namen ist eine Enkel-Schülerin?

Bei diesem Mann gerät ohnehin alles ganz eigen-artig. Alles unterschreibt er mit Eulen und dem Monogramm UR. Und so entblödet sich das tapfre Ritterlein auch nicht, einen UR-eigenen Text abzudrucken: Mein Gebet. (Worüber kein weiteres Wort zu verlieren ist, das Papier könnte schamrot anlaufen.) Aufgebahrt finden wir es zwischen drei schwarz-weiß Fotographien. 1) Ritter ohne Brille, 2) Ritter mit Sonnenbrille und 3) Ritter mit normaler Brille. Darunter seine Maxime: Nichts ist selbstverständlich. Na, selbstverständlich!

Eine kleine Lanze wollen wir am Ende dieser Kampagne aber dennoch brechen, und legen sie hierzu auch nur über ein kleines Knie:

„Ach, es wurde viel verbrochen... -
Doch mancher Text ist hübsch gesprochen!“

Christoph Pollmann


Johann Wolfgang von Goethe: Goethes Geliebte – „Ein Spiel vom Blatt“.
Sprecher: Ulrich Ritter.
1 CD, Laufzeit 76 min.
Preis: 18,- EUR. ISBN 3-88689-546-6.
Erschienen bei: steinbach sprechende bücher

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