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Samstag, 26. Mai 2012 | 00:53

 

Heinz Rühmann: Gesammelte Hörspiele

04.11.2004

 
Otto Normaldarsteller nur mit Stimme

Die Leinwand war sein Zuhause. Doch nach dem Ende des II. Weltkrieges entdeckte Rühmann den Hörfunk, wo er einige Hörspiele produzierte, die nun in einer Box, aber auch einzeln erhältlich sind.

 

Der waschechte Ruhrpottler aus dem waschechten Essen war der typische Vertreter des typischen einfachen Deutschen, der dem Zuschauer aus dem Herzen sprach. Die Leinwand war sein Zuhause. Doch nach dem Ende des II. Weltkrieges entdeckte Rühmann den Hörfunk, wo er einige Hörspiele produzierte, die nun in einer Box, aber auch einzeln erhältlich sind. An ähnlicher Stelle, wo der filmende Rühmann die Leichtigkeit der Verdrängung so lebensecht wie volksnah darstellte, wirkt der Schauspieler unsichtbar aber ebenso präsent als Mann für alle Fälle und als kleiner Mann, mit dem Jedermann sich identifizieren kann.

Sein Engagement im Hörspielbereich mag auch damit zusammen hängen, dass ihm denunziatorisch nachgesagt wird, er sei Nazi und als Fliegeroffizier aktiv gewesen. Bis 1953 scheiterten alle Versuche, im Filmgeschäft wieder Fuß zu fassen. Und genau diesem Herrn traut man doch eine Rolle wie der des Estragon in „Warten auf Godot“ gar nicht zu. Ist aber so. Unter der Regie von Fritz Kortner entstand 1954 eine Produktion des Beckett-Klassikers für den Bayerischen Rundfunk. Rühmann wäre nicht Rühmann, würde er nicht auch daraus einen waschechten Rühmann machen. Er wollte ernsthafte Rollen, war aber wegen seiner durchschlagenden Popularität auf ganz bestimmte Charaktere festgelegt. Kortner gab ihm die Chance dazu. Das Kompliment, das er über den Filmstar äußerte, ließ aufhorchen: „Der kann so leise sein, dass man in seiner Umgebung das Gras wachsen hört.“

Gegen dieses Schwergewicht der modernen Literatur fällt „Du kannst mir viel erzählen“ von Christian Bock, 1949 realisiert, etwas aus dem Qualitätsrahmen. Hier scheint die Leichtigkeit, mit der das Boulevardhörspiel den Äther durchzieht, genau die Fähigkeiten von Heinz Rühmann zu treffen. Ein kleines Spiel um Eifersucht, Missachtung, Laschheit, Männerschwäche – ein Rühmannscher Film ohne Bilder.

Anlässlich des 10. Todestages (3. Oktober) des beliebten Schauspielers und Paradedarstellers des sprichwörtlichen kleinen Mannes nun also den ganzen Hörspiel-Rühmann in einer Box. Neben den genannten Stücken enthält sie noch „Ein Engel namens Schmitt“ von Just Scheu und Ernst Nebhut (1953) und „Abdallah und sein Esel“ von Käthe Olshausen (1953).

Klaus Hübner


Heinz Rühmann: Gesammelte Hörspiele.
Box mit 6 CDs.
Deutsche Grammophon Literatur 06024 9819525 (3)

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