Der Roman "Timbuktu" (1999) gehört wahrlich nicht zu den Höhepunkten im literarischen Werk des amerikanischen Autors Paul Auster. Nach drei Jahren, das Buch schon fast vergessen, fällt dem Rezensenten eine Hörspiel-CD zum Roman in die Hände. Überraschung! Vorurteilsfreie Überraschung. Das andere, akustische Medium verbessert die Buchvorlage um einiges.
Die Hörspielproduktion des Westdeutschen Rundfunks aus dem Jahre 2001 macht aus dem Buch eine spannende Geschichte. Volker Lechtenbrink spricht die Figur Willy, ein todkranker Poet, der in den Straßen Baltimores unterwegs ist. Begleitet wird er von Mr. Bones (Lars Rudolph), seinem Hund. Der bleibt, als Willy stirbt, allein zurück. Willy hustet sich perfekt durch die kalten und warmen Tage und erzählt aus seinem Leben. Kuriose Begegnungen, die von Mr. Bones, der Willys Erzählungen hautnah erlebte, meistens bestätigt werden.
"Gegen Baltimore an sich hatte ich ja nichts." Das wäre, aus Mr. Bones Blickwinkel, schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Der Hund trauert den gemeinsamen Tagen und Jahren hinterher. Geschickt fließen die Willy-Erinnerungen in die Erzählung von Mr. Bones ein. Die traurige Hundeseele und der arme, kranke Poet: ein Paar, unzertrennlich bis in den Tod, bis nach Timbuktu. Die lebenslange Freundschaft lebt nicht nur von der Erinnerung. Sie lebt auch vom gegenseitigen Respekt in Armut.
Die Musik von Manfred Schoof und hervorragende Hörspielgeräusche besorgen auch, neben der Sprache, einen akustischen Hochgenuss. Dem entgegen steht Willys permanentes Husten, das sein nahes Ende ankündigt. Und den Weg nach Timbuktu, dem selbsternannten, herbei gesehnten Paradies, zeigt.
Wer Treue sucht, sollte die Menschen meiden. Dafür ist ein Hund der zuverlässigere Begleiter. Ein bitteres Fazit. Aber ein ehrenvolles für Mr. Bones.
Von Klaus Hübner
Paul Auster: Timbuktu. Hörspiel. Der Audio Verlag. 2002. 71 Minuten. ISBN 3-89813-198-X