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Samstag, 26. Mai 2012 | 00:53

 

Rocko Schamoni: Risiko des Ruhms

16.02.2004



Schamonilos gelogen

In einer hörspielartigen Performance präsentiert Rocko Schamoni seine zwar rundum erstunkene und erlogene, dafür aber umso kurzweiligere Autobiographie.



 

Artig und mit Schalk in der Stimme begrüßt der Sänger, Musiker, Schauspieler und Produzent Rocko Schamoni seine Hörer bevor er damit beginnt, die erste Geschichte, „Saleika“, vorzulesen. Dort, in dem Dorf dieses Namens an der Donau, wuchs er angeblich auf. Angeblich ist sein Vater ein großgewachsener Inder von sehr gutem Aussehen. „Frauen und Hunde wurde in seiner Gegenwart sofort nervös.“ Die Familie arbeitet angeblich als Jahrmarktsattraktion auf einer Kirmes. Angeblich. Das wichtigste Wort, will man den Roman von Schamoni ganzheitlich korrekt erfassen.

Erdichtet. Vornehm ausgedrückt. In der vulgären Übersetzung: erstunken und erlogen. Denn zwischen den Zeilen funkeln die Flunkereien eines Künstlers, der als Rockmusiker beschäftigt ist und in seinem 2000 bei Rowohlt erschienenen Buch eine erfundene Autobiografie veröffentlichte. Schamoni offenbart sich jedoch nicht nur zwischen den Zeilen sondern haut auch Satz für Satz in die Flanke eines unsichtbaren Lügenbaronpferdes, das schon am Beginn der Tour richtig in Fahrt kommt. Schamoni, ein zugereister Hamburger und in Lütjenburg an der Ostsee aufgewachsen, scheint durch seine Herkunft schon mit einer gewissen Weltläufigkeit ausgestattet zu sein. Dieser Wesenszug schlägt sich im Roman nieder. Selbst wenn man nichts für bare Münze nehmen darf, was Rocko Schamoni frank und frei erzählt.

Weltabenteuerroman ohne wirkliche Welt
Das ganze Unternehmen bekommt noch einen zusätzlichen Drive, in dem Schamoni kein abstraktes Lesewerk abliefert, sondern eine hörspielartige Performance liefert, in der ein Telefon klingelt oder andere Geräusche den Lesefluss unterbrechen. Weltabenteuerroman ohne wirkliche Welt. Mit allen Zutaten, die ein spannender Bericht, gemischt aus Draufgängerstories, seemannsgarnspinnenden Anekdotenkapiteln und alltagstauglichen Flunkereien, enthalten sollte. Absichtlich zurrte Schamoni sein Werk nicht im schöngeistigen Literaturambiente fest, sondern blieb der Linie unterhaltungsgeprüfter populärer Dichtung treu.

Am Ende: „Afrika“ - ein Bonustrack, eine unveröffentlichte Kurzgeschichte. Sie spielt in Tanger, wo schon viele berühmte und weniger bekannte Schriftsteller ihr Dichterzelt aufgeschlagen haben. Rocko Schamoni würde dort hinein passen.


Klaus Hübner

 


Rocko Schamoni: Risiko des Ruhms. Hör(Doppel)-CD. Deutsche Grammophon Literatur, 18 Euro. ISBN 3-8291-1343-9.

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