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Samstag, 26. Mai 2012 | 00:53

 

Peter Kurzeck: Stuhl, Tisch, Lampe

08.12.2004


Keine liebliche Welt des Alltags

Kurzecks Welt ist die unsere, die wir Tag für Tag sehen und erleben (können), die oft gar nicht mehr wahrgenommen wird, die der Autor nun beschreibt und die verschütteten Selbstverständlichkeiten beim Leser ausgräbt.

 

Schaut man sich die Preisliste des Autors Peter Kurzeck an, könnte man einen Schriftsteller erwarten, der weit über dem Durchschnitt worterzeugender Zeitgenossen herausragt: Fabrikschreiberpreis Frankfurt/Main (1987), Alfred-Döblin-Preis (1991), Hans-Erich-Nossack-Preis (2000), Stadtschreiber von Bergen-Enkheim (2000), Kranichsteiner Literaturpreis (2004). Zweifellos ragt er heraus, scheint aber bei den Kritikern und Preisstiftern höher im Kurs zu stehen als beim Lesepublikum.

Dabei ist Kurzeck ein phantasiereicher Erzähler, der mittendrin steckt in den verschlungenen Wandelgängen der Zeit, den Ausgang genau so sucht wie seine Leser und während dieses Weges das an den Seiten liegende aufgreift und sprachlich aufbereitet weiter gibt. Manchmal verliert er sich in Details, beschreibt äußerst kleinkariert selbst Winzigkeiten im äußeren Kreis und erschafft so ein lebendiges Bild der Welt im Kleinen und im Großen.

Peter Kurzeck kam 1943 in Tachau (Böhmen) zur Welt und wuchs als Flüchtlingskind in Staufenberg (Kreis Gießen) auf. Seit 1970 lebte er viele Jahre in Frankfurt am Main und wohnt heute im südfranzösischen Uzès.

Mit seiner singenden Stimme spricht Peter Kurzeck vier längere Romanpassagen auf einer CD, die auch einen bisher unveröffentlichten Text enthält: „Der vorige Sommer und der Sommer davor“. Daneben liest Kurzeck aus „Ein Kirschkern im März“, „Übers Eis“ und „Als Gast“. Fast gehetzt wirkt seine Stimme, wie er durch den Wortewald stürmt und von ganz banalen Dingen - Alltag, Natur, Beziehungen - spricht. Seine Beschreibung von Hausmeistertätigkeiten wie Flurputzen und die Säuberung der Fußabstreifer kommt bekannt vor. Doch so wie Kurzeck sich dem Thema nähert und es abarbeitet, schauen die wenigsten dem Hausmeister auf die Finger.

Trivialität? Kurzecks Welt ist die unsere, die wir Tag für Tag sehen und erleben (können), die oft gar nicht mehr wahrgenommen wird, die der Autor nun beschreibt und die verschütteten Selbstverständlichkeiten beim Leser ausgräbt. So gesehen könnte man von Trivialität sprechen, wäre Kurzecks Realität eine Spur lieblicher.

Klaus Hübner


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Peter Kurzeck: Stuhl, Tisch, Lampe. Audio-CD.
Gelesen vom Autor. Stroemfeld/supposé.
ISBN: 3-87877-944-5 (Stroemfeld), 3-932513-50-9 (supposé).

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