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Samstag, 26. Mai 2012 | 00:54

 

Sjöwall/Wahlöö: Die Terroristen

03.02.2005

 
Sand im Getriebe der Welt

Das schwedische Duumvirat Sjöwall/Wahlöö in einer günstigen D>A

 

„Die Terroristen“ ist der Abschluss der großen Dekalogie des berühmten Schriftstellerehepaares. 1975 erschienen, wird hier die Identifikationsfigur des schwedischen Wohlfahrtsstaates, der Ministerpräsident, durch ein naives Blumenkind umgebracht. Die Phantasie sollte elf Jahre später real werden. „Diese Krimis sind Erzählungen vom leidenden Einzelnen wie Dokumente des zunehmenden gesellschaftlichen Verhängnisses“, äußerte Heißenbüttel. Und auch wenn von Roman zu Roman die literarische Qualität durch deutlich Agitatorisches zunehmend leidet, und der marxistische Hintergrund immer deutlicher aufscheint, so bleibt eben doch die Einzigartigkeit dieses Gesamtwerks, dem Krimi endlich auch eine politische Dimension eröffnet zu haben.

Die Oberfläche des Verhängnisses

Beim Besuch eines amerikanische Senators in Stockholm muss die Reichspolizei eine Antiterroreinheit bilden, da internationale Terroristen der ULAG laut CIA einen Anschlag vorbereiten. Anfang der 70er ist die Popularität der USA weltweit auf einem Tiefpunkt: der Krieg in Südostasien treibt überall in Europa die Studenten auf die Barrikaden.Vier Männer der ULAG befinden sich schon in der Stadt: außer zwei Japanern und einem Franzosen noch der Kopf der Gruppe, der südafrikanische Söldner Reinhardt Heydt. Per Funk wollen sie einen Sprengsatz detonieren lassen.An genau dieser Stelle, die einen dramatischen Showdown vorhersehen lässt, den Kampf Kommissar Becks gegen den eiskalten Söldner, flechten die Autoren eine leise Episode ein, die die ganze hochaufgerüstete Auseinandersetzung der gegnerischen Parteien implodieren lässt.
Rebecca Lindh, eine weltfremde, junge Frau, verliert ihren Mann, einen amerikanischen Deserteur, weil beide den Versprechungen der Regierungen Glauben geschenkt haben, dass nur eine glimpfliche Strafe für die Flucht aus der Armee verhängt würde. Doch er landet im Gefängnis, wo er sich wenig später das Leben nimmt. Rebecca macht die Politiker dafür verantwortlich und gedenkt zu handeln. Solcherart - und das ist die Pointe - wird das Einzelschicksal einer jungen Schwedin zum Schlüsselereignis eines politischen Mordes. Beck und Heydt, die Profis, werden zu Randfiguren des Dramas um einen verzweifelten Amateur mit geladener Pistole. Sie wird es sein, die unbeachtet (sic!) den Ministerpräsidenten erschießen wird. Der eigentliche Anschlag schlägt fehl.

1979? – Charmant!

Obwohl viele Sprecher den Part des Erzählers übernehmen, leidet die Verständlichkeit des Hörspiels nicht. Im Gegenteil, das Chorische bewirkt eine leise Tempoverschärfung, die der inneren Dramaturgie angemessen scheint, und wird darüber hinaus dem gesellschaftlichen Ansatz der Romane durchaus gerecht. Der Musikanteil ist mit insgesamt 47 Minuten erstaunlich hoch. Der Komponist Hans-Martin Majewski verschafft der Produktion zwar durchaus ein fesches 70er-Kolorit, doch hat der Versuch Shaft in Skandinavien ansässig zu machen auch sehr geschmäcklerische Züge. Nichtsdestotrotz wissen die Stimmen zu überzeugen: Die Besetzung ist erstklassig, das Wiederhören von Horst Franks Grottenbass dabei ein Genuss, vor allem in der Rolle des äußerst grobwollenen Gunvald Larsson, der Charakterantipode des sanften Beck.

Christoph Pollmann


Sjöwall/Wahlöö: Die Terroristen
Hörspiel mit Charles Wirths, Horst Frank, Christian Brückner, Gert Haucke, Charles Brauer u.v.a.
2 CDs, Laufzeit: 101 min.
Produktion: WDR
Erschienen bei: D>Apocket
Preis: 9,95 EUR
ISBN 3-89813-349-4

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