Friedrich Schiller: Dramen
21.03.2005
Ein schillerndes Jahr
In den 365 Tagen eines Jahres hört man so manchen Scherz, so manchen Kalauer. Nichts Ungewöhnliches. Etwas Besonderes ist es jedoch, wenn an jedem Tag des Jahres ein Zitat des vor 200 Jahren verstorbenen Friedrich Schiller in einer Tageszeitung erscheint. Die Neue Rhein Zeitung in Essen beweist diese Ausdauer: "Große Seelen macht / Die Liebe größer". So Don Karlos zu Marquis Posa.
Von Marbach bis Weimar, in Mannheim und Jena, zwischen Lorch und Ludwigsburg und im ganzen Rest der Republik erhebt sich der kulturbegeisterte Teil der Bevölkerung, um den von Lorbeer umwickelten Dichter zu ehren. Das schlägt sich auch in vielen Veranstaltungen, Reden, Neuausgaben seiner Werke, biografischen Notizen, Monographien und sonstiger Sekundärliteratur nieder. Andere feiern den „Dichternebenfürsten“ Friedrich Schiller auf eine andere, der modernen Medienwelt angepassteren Weise. Bei der Deutschen Grammophon erscheinen in der Reihe "Eloquence" Schillers Dramen in einer 2-CD-Edition zum Jubelpreis von 8 Euro.
Schiller für alle!
Historische Aufführungen aus deutschen Theaterpalästen, vom Bayerischen Rundfunk konserviert. In Schillers erstem Drama "Die Räuber", das am 13. Januar 1782 erstmals im Hof- und Nationaltheater Mannheim mit außergewöhnlichem Erfolg aufgeführt wurde, suchen die Moor-Brüder Wege zur menschlichen Freiheit. 1969 standen im bayerischen Staatsschauspiel u.a. Theatergrößen wie Martin Benrath und Helmut Griem, Peter Lühr und Gisela Stein, aber auch Robert D. Atzorn und Jochen Striebeck auf der Bühne.Von den Salzburger Festspielen 1955 dringt Schillers „Kabale und Liebe“ in unsere Wohnzimmer - eine flammende Geißelung der Willkürherrschaft, ein Plädoyer gegen die damals nicht ausrottbare Mätressenwirklichkeit. Wir vernehmen diesen dramatischen Kampf mit den Stimmen von Will Quadflieg, Heidemarie Hatheyer und Maria Schell. Das im Dritten Reich mit Aufführungsverbot belegte Attentäterdrama "Wilhelm Tell" liegt hier in einer Aufnahme des Bayerischen Rundfunks aus dem Jahr 1951 vor. Im deutschen Revolutionsjahr 1968 sah das Düsseldorfer Schauspielhaus eine Aufführung von "Wallensteins Tod" mit O.E Hasse, der als Wallenstein eine seiner Paraderollen gefunden hatte. Die Wallenstein-Trilogie um Verrat und Machtstreben, um Loyalitätsverlust, Pflicht- und Rechtsbewusstsein gehört zu Schillers klassischen Dramen, in denen er die Größe und den Fall des Feldherrn auf sprachlich höchster Ebene seziert.
Die fünfte und sechste Eloquence-Ausgabe von Schillers großen Dramen behandeln die beiden vom Bayerischen Rundfunk 1953 bzw. 1954 gesendeten Gesamtaufnahmen von "Don Karlos" und "Maria Stuart". Dieser Produktion liehen Paul Wessely. Attila Hörbiger, Lina Carstens, Charles Regnier, Hans Quest, Hilde Krahl und Walter Richter ihre Stimmen. Allen Dramen gemeinsam sind Schillers aufmüpfig-frischer Geist und sein leidenschaftlicher Einsatz für Freiheit und Unabhängigkeit. Dieser humanistischen Bedingungslosigkeit blieb er zeit seines Lebens eng verbunden. Nur so konnte seine große Literatur entstehen.
Klaus Hübner
Friedrich Schiller: Die Räuber, Kabale und Liebe, Don Karlos, Wallensteins Tod, Maria Stuart und Wilhelm Tell
Je 2 CDsErscheinen bei: Deutsche Grammophon Literatur / Eloquence
ISBN: 3-8291-1504-0, -1406-0, -1505-9, -1506-7, -1507-5, -1508-3 Preis: Je 8 Euro.