Dick Francis: Verrechnet
21.04.2005
Queen´s Finest
Ein Fließbandromancier? Man könnte fast an der Qualität zu zweifeln beginnen, wenn man sich die Unmenge an Kriminalromanen besieht, die Dick Francis schrieb. Erst der Tod seiner Frau setzte seinem Schaffen dann ein jähes Ende.
Sein Lächeln sitzt gemütlich im walisischen Gesicht und entlässt ein krumm-heiteres Gebiss. Sein Silberblick streunt schelmisch umher. Dieser Mann kann mit sich zufrieden sein. Kein Wunder: Dreimal den „Edgar Allen Poe Award“ zu gewinnen ist noch keinem vor ihm gelungen. Und es drängt sich noch so viel mehr in seiner Glasvitrine auf den Kaimaninseln.Zu „Verrechnet“: Sir Ivan lässt ganz überraschend seinen Stiefsohn Alexander Kinlock zu sich nach London holen und bittet ihn um einen seltsamen Gefallen. Ein überaus wertvolles Rennpferd und einen Pokal aus Gold soll er verstecken, denn humorlose Gläubiger und nicht zuletzt seine geldgierige Tochter sind Sir Ivan, dem es gesundheitlich übrigens sehr schlecht geht, auf den Fersen. Die Schlacht um das Erbe beginnt...
Anglonische Irolakonie
Die emotionalen Untiefen einer einflussreichen Familie, das ist eines der Lieblingsthemen des Erfolgsautors. Und auch seine eigene Vergangenheit als äußert erfolgreicher Jockey, ja als Chefjockey der königlichen Rennpferde, lässt er immer wieder in seine Literatur mit einfließen. Bei seinen Krimis stimme alles, beteuert die Frankfurter Rundschau, doch die Produktion des MDR und SWR lässt leider etliche Hörwünsche offen. Allzu müde äpfelt die Geschichte von Szene zu Szene, als das da irgendein Goldpokal gewonnen werden könnte. Da hilft auch die unverwechselbare Stimme eines Rolf Hoppe (als Sir Ivan) nicht mehr zu Platz oder Sieg. Die Buchmacher schließen nur noch leise ihre Schalter... Ja, es gehen in der Regiearbeit von Klaus Zippel tatsächlich so viele knarzenden Türen auf und zu, dass man sich unweigerlich ins Polizeipräsidium einer öffentlich-rechtlichen Krimiserie der späten Nachmittagsstunde versetzt fühlt.Einziger brutaler Lichtblick der Geschichte bleibt ein Grill - eine wunderbar groteske Methode, ungeliebte Personen aus dem Weg zu schaffen. Beinahe erwischt es sogar Alexander Kinlock (gesprochen von Götz Schulte), der im Laufe des knapp einstündigen Familiendramas eine so dominante Präsenz erhält, dass man ihn ganz gerne schmoren sehen würde. Mit seinem Spiel steht und fällt leider das ganze Hörspiel – in unserem Fall ist es gestrauchelt, und zwar nicht weil die Hürde zu hoch gewesen ist, sondern weil Zippel´s Parcours so ermüdete.
Christoph Pollmann
Dick Francis: Verrechnet
Kriminalhörspiel mit Rolf Hoppe, Uta Hallant, Peter Fricke u.v.a.
1 CD, Laufzeit: 51 min.
Produktion: MDR und SWR
Erschienen bei: DER AUDIO VERLAG