Kennzeichen T - 25.05.2012 Men in Black 3 - jetzt im Kino! Frankie Chavez: Family Tree TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) von Michael Ebmeyer Der FUTTERblog - streng verdaulich!
Samstag, 26. Mai 2012 | 00:56

 

Eric-Emmanuel Schmitt: Das Kind von Noah

13.06.2005

Schon gut, schon gut...

Der „Zyklus des Unsichtbaren“ – schon die Worte schuppern einem den Rücken auf und ab. Dabei handelt es sich bei Eric-Emmanuel Schmitts religiösen Aufklärungsversuchen letztendlich wohl doch nur um klebrige Verklärungen.

 

Joseph, ein Siebenjähriger in belgischer Provinz, welche besetzt ist von der deutschen Wehrmacht, wird abrupt von seinen Eltern getrennt. Der herzlodernde Pater Pons versteckt den Jungen in seiner „Gelben Villa“ vor der Gestapo. Hierdurch rettet er den kleinen Juden, dessen Eltern irgendwie auch, eigentlich die ganze jüdische Kultur, hauptsächlich aber seinen eigenen guten Glauben. Nachdem all diese guten Taten vollbracht sind, der Krieg gewonnen ist und die Familie wieder beisammen, rettet Vater Pons sogar – man weiß gar nicht wie man als Leser dazu kommt – die verbotenen Bücher russischer Dissidenten...

Das Gute im Schriftsteller

Verdammt, was soll man machen? Schmitt vertraut dem Guten im Menschen, glaubt an das Schöne im Leben und doch schreibt er kaum über das Wahre dieser Welt. Anprangern kann man so einen notorischen Optimisten kaum, höchstens ästhetisch. Doch Schmitt weiß selbst - das interessiert nicht mal den letzten ofengewärmten Hund! Einen Trumpf will der Kritiker hier aber dennoch gezückt haben, bevor er die Welt einer rosa Flutwelle aus Frankreich überlässt: „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“, „Oskar und die Dame in Rosa“ und „Das Kind von Noah“ sind die langweiligsten Kinderbücher der letzten Jahre!

So ein Schmitt kann eigentlich nur Erfolg haben, weil hierzulande - im Schlagschatten der Gottesfinsternis - die Grundbildung in Fragen Religion völlig verkümmert ist. Solcherart wird Schmitt mit seinen religiösen Themen zum Hohepriester eines neuen Exotismus. Den Atheisten unter seinen Lesern wird schlicht der leise Schauer des Irrationalen geliefert: mutige Katholiken, gütige Moslems und ganz normale Juden. Dabei trägt das kaum weiter als irgendein mittelirdisches Zwergen-Elfen-Magier-Brimborium, da helfen dem guten Eric-Emmanuel auch keine knietiefschürfenden, philosophischen Extra-Eiereien! Es ist schlicht unappetitlich, was den Enkeln da aufgetischt wird. „Also doch nur für Kinder, diese Diliteratur?“ - „Höchstens!“, sagt TITEL, „doch leider werden einem die Käuferlein schon recht bald weggeschnarcht sein.“ - „Eric-Emmanuel Schmitt ist deutscher Publikumsliebling! Dem fährt man nicht so leichthin durch die geläuterten Zeilen.“ – „Ja und? Applaus ist doch nur das Echo des bestehenden Stumpfsinns unserer paneuropäischen Bildungsnaivität - sentimentalisch und blind!“ Dabei sind die hübsch gekleisterten Bildchen, wie sie uns Schmitt liefert, ähnlich banal wie Fußgängerzonenkunst. Nur - sie beanspruchen unendlich viel mehr: historische Weite, utopischen Glauben, aufgeklärte Toleranz und wie diese ganze Soße sonst noch heißen mag.

Weinen bis Blut kommt

Dieses Ungleichgewicht ist es letztlich, das beim Lesen/Hören in einem reißt. „Der Mann, der die Welt zum Weinen bringt“ heißt es da über den Franzosen. Recht verstanden, verdient hier also einer sein Geld damit, vor unser aller Augen hübsche Glasperlen aus dem Sumpf der katastrophischen Vergangenheit zu bergen. Tja, der 60-Jahre-Abstand scheint dieserart Sentimentalitäten möglich zu machen, vielleicht sogar zu verlangen. Und da beginnt das wirkliche Problem - die völlige Umkehrung einer ach so guten Intention...

Christoph Pollmann



Eric-Emmanuel Schmitt: Das Kind von Noah
Hörspiel mit Ernst Jacobi, Lukas Schreiber u.v.a.
1 CD, Laufzeit: 74 min.
Erschienen bei: DAV
Produktion: WDR
Preis: 14.95¤
ISBN 3-89813-392-3

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Maler der Farben und Formen

Üppige Figuren und bunte Farben sind die Markenzeichen des kolumbianischen Malers Fernando Botero. Anlässlich seines 80. Geburtstags zeigt die Galerie Samuelis Baumgarte Bilder, ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...