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Samstag, 26. Mai 2012 | 00:59

 

Dashiell Hammett: Der Malteser Falke

03.11.2005

Kloppe und Sexismus – knackfrisch!
Privatdetektiv Sam Spade will endlich wissen, wer seinen Partner auf dem Gewissen hat. Dabei bemerkt er bald, dass dessen Tod mit einem anderen Mord in Zusammenhang steht. Der Malteser Falke, ein unbezahlbares Kleinod, wird von etlichen Schurken gejagt. Die Fronten werden im Verlauf der Ereignisse aber kaum klarer, sodass Spade gezwungen ist, ein äußerst gefährliches Doppelspiel zu spielen... Diese 117 Minuten-Produktion des NDR, HR und SWF von 1996 - jetzt erschienen in der äußert günstigen pocket-Reihe von Der Audio Verlag - ist einfach faustdick gelungen. Zugegriffen!

 

Dieter Laser spricht den Sam Spade so genussvoll, vielschichtig und schlecht gelaunt, das könnte Stunden so weitergehen. Eine echte Alternative zu Bogart. Kaum hört man dieses Organ zum ersten Mal, schon ist man dem Hörspiel auf Gedeih und Verderb verfallen - so viel Schnodder, so viel Existenzialität, ja Musikalität! Da braucht es wahrhaftig nur einen Hauch an Hintergrundmusik, minimalst Effekte und die gewünschte Wirkung stellt sich dennoch ein. Überhaupt sind die Hörspielkompositionen von Gerd Bessler wohltuend reduziert: meist plärrt nur ein Saxophon Halbmelodien vor dem Klangpanorama eines endlosen Didgeridoo. Reduziert ist auch der Klangraum: kaum Inszenierung, keinerlei akustische Architektur, selten Hall, fast nur Dialoge. Und das ist gar nicht schlecht.

Die Stimmenauswahl ist geglückt. Das parfümierte Schlitzohr Joel „Maiglöckchen“ Cairo von Jens Wawrczeck gesprochen, die unerklärliche Brigid O´Shaughnessy („Ich habe immer gelogen!“) stilsicher von Susana Fernandes-Genebra interpretiert, der höflich-schwammige Caspar Gutman lebt in Peter Fricke auf. Ein wirklich aromareiches Rahmsößchen auf diesem wie gemetzgerten Stück Text - mit seiner ganz speziellen Hammett-Poesie: „Er verschwand einfach. Wie eine Faust, wenn man die Hand aufmacht.“

Konzeptkunst oder Banausentum?

Die über 70 Jahre alten Geschichten haben eine Knackigkeit, erstaunlich. Wahrscheinlich auch, weil in diesem Krimiklassiker so erfrischend viel gekloppt und so rücksichtslos sexistisch gesprochen wird. Ventile auf!

Ein wenig irreal wirken die als Samples eingesetzten Geräusche. Schreibmaschinenklackern, das Einschenken von Whiskey ist immer exakt gleich. Das hat beinahe was von Konzeptkunst - oder doch Banausität. Verwirrend sind auch die eingesprochenen Kapitelüberschriften, was das einzige ist, das der Erzähler zum Hörspiel beitragen darf. Dadurch gerät er allerdings zum Nummerngirl im Ring dieses Großstadtkriegs von San Francisco. Und auch die obligaten Faustkämpfe klingen leider zu sehr nach klamaukigem Bud-Spencer-und-Terence-Hill-Stil. Das muss Regisseur Norbert Schaeffer einfach ironisch gemeint haben, er muss! Was anderes wollen wir einfach nicht glauben...

Christoph Pollmann


Dashiell Hammett: Der Malteser Falke
Hörspiel mit Dieter Laser, Jens Wawrczeck u.v.a.
2 CDs, Laufzeit ca. 117 min.
Produktion: NDR, HR und SWF (heute Südwestrundfunk)
Erschienen bei: DAV

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