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Samstag, 26. Mai 2012 | 00:59

 

Charlotte Bronte: Jane Eyre

01.12.2005

Cinderella mal anders
Hübsch, folgsam und fromm hatten Frauen zur viktorianischen Zeit zu sein. Jane Eyre aber ist intelligent und charakterstark. Das macht sie zur Außenseiterin – und Vorkämpferin. Charlotte Bronte steht mit ihrem Roman, den sie „Eine Autobiographie“ nennt, einem Defoe erzählerisch deutlich näher als etwa Dickens oder Thackeray. Dennoch rückt sie weniger Sozialkritik oder naturgetreue Milieudarstellungen in den Vordergrund als vielmehr das Seelenleben ihrer Protagonistin.

 

Jane Eyre lebt nach dem Tod der Eltern bei ihrer Tante und deren drei Kindern. Mrs. Reed lässt Jane deutlich fühlen, dass sie nur geduldet ist. Auch die Kinder, allen voran John, misshandeln sie, wo sie nur können. Die Demütigungen, denen Jane ausgesetzt ist, eskalieren derart, dass Sie sich eines Tages gegen die brutalen Schläge Johns zur Wehr setzt, woraufhin sie ins Internat Lowood geschickt wird. Hier erwarten sie Entbehrungen, strenge Regeln, verdorbenes Essen und schlechte medizinische Versorgung. Aber Jane erfährt an diesem Ort zum ersten Mal in ihrem Leben auch so etwas wie Freundschaft und Verständnis. Mit 18 verlässt sie das Internat und verdingt sich als Hauslehrerin in Thornfield Hall bei Mr. Rochester. Der lebt zusammen mit seiner unehelichen Tochter Adele und einer Haushälterin. Jane verliebt sich in den Hausherrn, gibt dieser Verbindung jedoch keine Chance, da sie sich weder hübsch, noch standesgemäß dünkt. Zu ihrer Überraschung macht Edward ihr dennoch einen Heiratsantrag. Am Vorabend der Hochzeit wird sie eine schreckliche Entdeckung machen...

Charlotte Bronte veröffentlichte „Jane Eyre – eine Autobiographie“ im Jahr 1847 unter dem Pseudonym Currer Bell. Der Roman wurde von der Öffentlichkeit so gut aufgenommen, dass 1848 bereits die dritte Auflage erschien.

Hörbuch – das bessere Buch

Sophie Rois, vielen bekannt aus „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“, hat eine Stimme von erstaunlicher Bandbreite. Intuitiv erfasst sie die untergründigen Emotionen des Textes und schafft dem Hörer dadurch ein eindringliches Hörerlebnis. Mal glaubt man, einem trotzigen Kind zu lauschen, ein anderes Mal ersteht vor dem inneren Auge ein bigotter, selbstgefälliger Schulleiter oder die hochnäsige, kalte Tante nebst feixenden, sadistischen Kindern. Besonders durch behutsamen Tonwechsel gelingt ihr, das „Erwachen“ von Jane Eyre auch stimmlich zu vermitteln. Hier ist das Hörbuch der Printversion weit voraus: Um diese Entwicklung auf die Schnelle nochmals nachvollziehen zu können, genügt es einfach, ein paar Tracks der ersten und der letzten CD zu vergleichen. Fazit: Hervorragend rezitierte, sehr gut ausgestattete Hörbuchversion eines zeitlosen, aufwühlenden Klassikers.

Wolfgang Haan


Charlotte Bronte: Jane Eyre
Sprecherin: Sophie Rois
7 CDs, Laufzeit: 620 min.
ISBN 3821853964
Preis: 28,95¤

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