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Samstag, 26. Mai 2012 | 01:00

 

Mikail Niemi: Das Loch in der Schwarte

02.02.2006

Douglas Adams´ Enkel
Steine sind die wahren Herrscher der Welt. Das weiß nur noch keiner, weil sie sich zur Zeit im Kokonstadium befinden. Wenn sie sich aus dem Kokon befreien, dann werden sie zu Schmetterlingen und übernehmen die Macht. So erzählt es jedenfalls Mikail Niemi in seinem jetzt bei Random House erschienen Hörbuch „Das Loch in der Schwarte“. Ein erfrischend grotesker Science-Fiction-Roman in bester Douglas-Adams-Tradition.

 

Roader werden die einsamen Kapitäne abenteuerlicher Fluggefährte genannt, die sich auf den Weg in unendliche Weiten machen. Doch diese haben nichts mehr mit den von Bruce Willis oder Clint Eastwood verkörperten Ex-Marines zu tun, die dem Tod breit ins Auge grinsen. Nein, eher so wie früher die coolen Jungs an ihren Mopeds rummontierten und sie mit Hochlenkern und sonstigem Überflüssigem aufmotzten, so basteln diese Kapitäne des Weltraums an ihren Raumschiffen herum und bauen ein, was man dringendst zum Überleben im All benötigt, nämlich Trockenduschkabinen, Videogeräte mit Pornofilmen, Chirurgenausstattung für die Eigenoperation und Spielcomputer, um die Einsamkeit, Isolation und Tristesse der oft monatelangen Reisen ohne Psychose zu überstehen.

Aber die Menschheit insgesamt scheint bei Niemi mächtig heruntergekommen, denn die Raumstationen der Zukunft füllen sich mit dürren, ganzkörpertätowierten Jünglingen, gehbehinderten Kerlen mit Hemingway-Bart; mageren Mädchen mit Injektionsnarben und stummen Amazonen mit rasierten Schädeln und amputierten Brüsten. Diesem ganzen Verfall zum Trotz macht die Wissenschaft weiter riesige Fortschritte! So findet der Wissenschaftler Emanuel Kreuzer endlich die Erklärung dafür, warum ein Brot immer mit der Butterseite auf dem Boden landet...

Den Versuch, bissige Persiflagen auf gängige Science-Fiction-Literatur zu schreiben, haben viele Autoren unternommen. Seit über 25 Jahren steht „Per Anhalter durch die Galaxis“ dennoch unangefochten an der Spitze und weit und breit war kein Thronfolger in Sicht. Mit „Das Loch in der Schwarte“ von Mikail Niemi bekommt der altgediente Geniestreich endlich Konkurrenz. Niemi zieht dabei gnadenlos über alles her, was uns an Science-Fiction lieb und teuer ist. Seien es erfolgsgeile Wissenschaftler, heroische Astronauten, die bei ihm zu „Pissetrinkern“ werden, oder Abgesänge auf Theorien, die jeder im Munde führt, aber keiner versteht, wie Einsteins Relativitätstheorie beispielsweise.

Die Lesung dieses Buches stellt eine echte Herausforderung dar. Soll der Sprecher versuchen, durch extreme Stimmakrobatik noch mehr Witz herauszukitzeln wie beispielsweise Dirk Bach in „Die Stadt der träumenden Bücher“? Gerd Köster geht einen völlig anderen Weg und macht von seinem kabarettistischen Talent hier keinen Gebrauch. Er liest ruhig, unprätentiös und mit seiner angenehm vollen und dunklen Stimme, um dann dem völlig unvorbereiteten Hörer eine Pointe nach der anderen um die Ohren zu hauen. Das ist der richtige Ton, den dieses Hörbuch verlangt. Keine Hau-Ruck-Komik ist hier gefragt, sondern ein locker-lässiger Konversationston, beinahe so wie er in TV-Duellen zwischen Politikern gepflegt wird. Man sagt etwas Nettes ist dabei aber scharfzüngig, boshaft und macht gelegentlich mokante Anspielungen. Der Unterschied? Bei der süffisanten Lesung von Gerd Köster darf man herzlich lachen. Und dazu bietet der Text wirklich Gelegenheit genug.

Wolfgang Haan

Hörprobe.MP3-Random-House


Mikail Niemi: Das Loch in der Schwarte
Gekürzte Lesung
Sprecher: Gerd Köster
4 CDs, Laufzeit: ca. 280 min
ISBN 3-86604-082-2
Preis: ¤ 24,95
Erschienen bei: Random House Audio

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