„Die Pyramide“, der einzige ausgewachsene Krimi dieser Sammlung, weist alle Mängel der anderen Geschichten auf. Menschlich betrachtet erfahren wir zwar viel vom Verhältnis Wallanders zu seinem eigensinnigen Vater, doch reicht dies allein nicht aus, den Hörer wirklich in den Bann zu ziehen. Daran kann auch die hervorragende Leseleistung eines Ulrich Pleitgen nichts ändern. Der versucht durch Stimmgewalt und -akrobatik, alles aus dem Plot herauszuholen, was an Dramatik, Spannung und mysteriösen Geschehnissen vorhanden ist. Aber das ist nicht eben viel. Und so hangelt sich Wallander von Hinweis zu Hinweis und stolpert förmlich über die Indizien, bis er regelrecht ins Ziel plumpst. Dabei steckt echtes Potential in der Geschichte: Zwei unabhängig voneinander eintretende Ereignisse beschäftigen die Polizei. Bei einem Flugzeugabsturz können aus dem Wrack nur noch die verkohlten Überreste zweier Männer geborgen werden. Kurze Zeit später kommen bei einem Wohnungsbrand zwei Schwestern ums Leben. Wie sich herausstellt, betrieben diese neben ihrem bescheidenen Handarbeitsgeschäft noch ein weiteres, wesentlich lukrativeres Gewerbe. Derweilen ist Wallanders Vater in Ägypten und bekommt Ärger mit der örtlichen Polizei, weil er die Pyramiden erklimmen wollte. Als Wallander davon erfährt, reist er unverzüglich ab, um seinen Vater aus dem Gefängnis zu holen – und das trotz der beiden komplizierten Ermittlungsfälle zuhause. Wie der Zufall es will, führt aber gerade diese Reise zu einem glücklichen Ausgang der Ermittlungen...
Fazit: Trotz der Bemühungen von Ulrich Pleitgen kommt bei diesem Hörbuch kaum Spannung auf. Zu durchsichtig der Aufbau und die Indizienkette bis zur Auflösung unglaubhaft. Wallander hätte ein würdigeres Ende seiner Karriere verdient.
Wolfgang Haan
Henning Mankell: Die Pyramide
Gekürzte Lesung mit Ulrich Pleitgen
4 CDs, Laufzeit: 300 min.
ISBN 3-89903-217-9
Preis: ¤ 24,90
Erschienen bei: Hörbuch Hamburg