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Samstag, 26. Mai 2012 | 01:05

 

Friedrich Schiller: Dramen

03.03.2006

Schiller – eine besinnliche Rückschau

Es ist Mozartjahr, es ist Heinejahr, Schumannjahr, Beckettjahr, Brechtjahr und noch einiges mehr. Der Jahrmarkt der gefeierten Eitelkeiten ist eröffnet! Doch es war – Schillerjahr.

 

Würdig durchaus. Vieles ist erschienen, was nicht unbedingt hätte in unsere Regale müssen und nur der Unmöglichkeit gezollt ist, diesem jubiläumsjährlichen Rummelcharakter der Kultur wirkungsvoll Einhalt zu gebieten. Notwendiges ist erschienen, Erhofftes auch. Geblieben ist letzthin wenig, doch von diesem Wenigen soll hier die Rede sein, als entspannter Rückblick sozusagen in ein abebbendes Jahr, inmitten eines an Feierlaune kaum zu übertreffenden.

Der wunderbare Audio Verlag hat eine Edition herausgebracht, deren Klanggestaltungen noch lange nachhallen. Es sind zwar durchweg Hörspiele älteren Semesters, die hier präsentiert werden, zumeist aus den 50er-Jahren, aber lässt doch gerade dieser Abstand ein oft viel genaueres Bild entstehen als die ewige Homo-Nazi-Schlingeneinseiferei des Zeitgeschmacks. Natürlich ist auch das legitim, vielleicht sogar notwendig, wenn auch häufig notdürftig.

Der ruhige Blick in alte Adaptionen hat jedoch eindeutig etwas für sich: Ein Schiller-Bild erhebt sich daraus, das beeindruckt, aber sicherlich auch der Entstaubung bedarf – was allerdings viel leichter fällt, als die Reinwaschung eines gänzlich modisch Bekleckerten. Und so pustet sich mit leichtem Atem ein Schiller frei, der uns klar und weltwissend in die Augen blickt.

Der Mensch im Kampf zwischen der Logik der Macht und der Suche nach Glück und Freiheit. Sechs Dramen vom Sturm und Drang zu den großen Geschichtstragödien: Maria Stuart, Don Carlos, Kabale und Liebe, Demetrius, Wilhelm Tell und Die Verschwörung des Fiesco zu Genua. Interpretiert von Will Quadflieg, Hansjörg Felmy, Martin Held, Gert Westphal, Christiane Hörbiger, Klaus-Jürgen Wussow – allein diese Namen versprechen einen Charme, der auch voll eingelöst wird. Zumeist nur 90 Minuten lang sind diese Bearbeitungen nur, dennoch größtenteils anstandslos gelungen. Was wir vermissen, ist vielleicht ein wenig der Flair in der Aufmachung dieser Produktionen, denn alle Hörspiele entstammen der sehr günstigen pocket-Reihe. Dafür ist allerdings der Preis von unschlagbarer Argumentationskraft.

Genießen Sie fernab des Mozart-Heine-und-Konsortentrubels noch einmal in aller Ruhe den großen, wunderlichen Schwaben, der für die Ewigkeit geschrieben hat.

Christoph Pollmann


Friedrich Schiller: Dramen
Eine Hörspieledition
10 CDs, Laufzeit: 571 min.
ISBN 3-89813-436-9
Erschienen bei: DAV
Preis: 49 ¤

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