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Samstag, 26. Mai 2012 | 01:47

 

E. Heidenreich / M. Reich-Ranicki Wozu lesen?

14.03.2006


Dialogisches Feuerwerk

Wozu Lesen? Elke Heidenreich und Marcel-Reich-Ranicki im Gespräch.

 

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Genauso kann es auch dem aufmerksamen Zuhörer ergehen, wenn er der leidenschaftlichen Auseinandersetzung zweier belesener Menschen zuhört, die sich gegenseitig übertrumpfen wollen. Es geht um Elke Heidenreich und Marcel Reich-Ranicki, die vor genau einem Jahr, just zu Frühlingsanfang und zu Hölderlins und Ibsens Geburtstag, aufeinandertrafen. Ihr mitgeschnittener Disput und jetzt auf CD erhältlicher zum Thema „Wozu lesen?“ fand im Rahmen des großen internationalen Lesefestivals, der Lit.Cologne in Köln, statt (in diesem Jahr vom 10. und 18.März).

„Ich werde versuchen, Ihnen einigermaßen Paroli zu bieten“, tönt der mächtige Literaturkritiker, der sich genauso wenig die Butter vom Brot nehmen lässt wie das „Mädelchen“, wie Reich-Ranicki spöttelnd und liebevoll zugleich die inzwischen 63 jährige Talkmasterin der Sendung „Lesen!“ nennt. Was die beiden - bei ganz unterschiedlicher Voraussetzung - miteinander verbindet: ihr Ton, weder wissenschaftlich noch moderat. Und sie äußern sich auch nicht für den Achtungserfolg unter hochgebildeten Kollegen. Beide brennen leidenschaftlich für die Literatur, die sie an ein breites Publikum bringen wollen, und sie nehmen kein Blatt vor den Mund. Damit machen sie sich nicht nur Freunde. Ob ihn, Reich-Ranicki, das störe? „Wenn Sie keine Feinde haben wollen, hätten Sie doch Steuerberaterin werden sollen“.

Gekämpft um die Macht, das sagen zu können, was sie über Bücher denken, haben beide. Aus schierem Eigennutz? „Zu Gunsten des Lesers“, kommentiert Reich-Ranicki selbst. Eines ist gewiss: während sie um Wortanteile und um Urteile kämpfen, erfährt der aufmerksame Zuhörer eine Menge über Literatur, über deren Qualität, über den Unterschied von Romanen und Lyrik, über die Kriterien, die immer an Beispielen aus der unterhaltenden wie aus der ernsten Literatur gemessen werden. Langeweile kommt keine Minute auf bei der einstündigen Diskussion. Gespannt wartet man nicht zuletzt darauf, wer von den beiden denn das letzte Wort behält. Es geht pari-pari aus. Dass Reich-Ranicki die Heidenreich schätzt, zeigt sein schlawinernder Vorschlag: „Sie kriegen den Büchner-Preis, und ich halte die Laudatio“. Schlagfertig sie: „Ich bestehe darauf, dass Sie das letzte Wort haben und ich werde dann lesen. Dann haben wir beide gewonnen.“ Welch zirzensisches Vergnügen, dieses lebendige Gespräch noch mal auf der CD Revue passieren zu lassen.

Petra Kammann


Die CD mit dem Dialog zwischen Elke Heidenreich und Marcel Reich-Ranicki „Wozu lesen?“ ist im Verlag bei Kein & Aber erschienen (16.50 EURO).

Die Lit.Cologne findet in Köln in diesem Jahr zwischen dem 10. und 18. März statt. Weitere Informationen zu den 131 Veranstaltungen finden Sie unter: www.litcologne.de

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