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Samstag, 26. Mai 2012 | 01:47

 

Paul Auster: die Brooklyn Revue

23.04.2006

Die Torheit des Amerikaners Nathan Glass, der Protagonist in Paul Austers neuestem Roman „Die Brooklyn Revue“, überlebt ein Krebsleiden, verliert den Job und wird von seiner Frau verlassen. Depressiv und antriebslos besinnt er sich eines Tages auf seine Ambitionen als junger Mann, ein Buch zu schreiben: „Das Buch der menschlichen Torheiten“.

 

Auster hält sich nicht lange mit Glass´ Lebensbericht auf, sondern benutzt diesen nur als Einstieg in die episodenhafte Schilderung der verschiedensten Personen und Begebenheiten, die irgendwie alle in einem Zusammenhang stehen, deren Beziehungen untereinander wie in einem Reigen sich neu formieren, wieder zerfallen, sich anders orientieren, bis am Ende des Buches alles wundersam zusammenpasst, gerade so, als ob im Würfelspiel der Götter das Schicksal einen Sechser-Pasch erzielt hätte. Auster beschreibt im Buch keine typische amerikanische Familie, sondern vielmehr Randexistenzen, die trotz allen Unglücks zusammenstehen, um gemeinsam ein Stück weiter zu kommen. Doch zu offensichtlich das Bemühen um realistische Fiktion, zu künstlich die entscheidenden Zufälle, die das Leben schreibt und von denen jedes Buch lebt oder mit denen es - stirbt.Dabei enthält „Brooklyn Follies“ - so der Originaltitel - alles, was man von Auster erwarten kann. Nur will es hier nicht richtig zusammen passen. So auch der Anschlag auf das World Trade Center als Kontrastpunkt zum versöhnlichen Ende des Romans. Das ist nicht stimmig und wirkt überambitioniert.

Die Rettung liegt in der Sprache
Was das Buch vor der völligen Katastrophe bewahrt, sind die von Paul Auster glänzend erzählten, wenn auch überkonstruierten Lebensläufe und Episoden. Die ganze Ausdruckskraft und Bildhaftigkeit der austerschen Prosa bringt uns Jan Josef Liefers in der vollständigen Lesung zu Gehör, die jetzt im Argon Verlag erschienen ist. Dabei lässt uns der Sprecher ausreichend Zeit, uns mit der Figur des Erzählers Nathan Glass vertraut zu machen und drängt sich nicht in den Vordergrund oder dominiert mit seiner Präsenz das Gehörte. Erst nach und nach wird dem Hörer bewusst, wie sich Jan Josef Liefers immer mehr zu einem Sprachrohr der Ausgestoßenen macht und die, von dem Autor beschriebenen Lebensläufe mit findigen Kleinigkeiten belebt, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Fazit: Austers Versuch der klassischen amerikanischen Familiengeschichte weiß nicht völlig zu überzeugen. Die Hörbuchfassung hat gegenüber der reinen Papierfassung den riesen Vorteil, dass der Sprecher mit seinem schauspielerischen Talent den Hörer über die im Roman vorhandenen Untiefen führt und ihn zu einem akustischen Vergnügen macht. Leser und Hörer, die bisher wegen seines Avantgardismus um Paul Auster einen Bogen gemacht haben, jedoch zeitgenössische amerikanische Literatur zu ihren Vorlieben zählen, werden mit Sicherheit eine positive Überraschung erleben.Wolfgang Haan
Paul Auster: Die Brooklyn Revue
Sprecher: Jan Josef Liefers 9 CDs, Laufzeit: 572 min. ISBN 3-87024-438-0 Erschienen bei: Argon Verlag. Preis: 29,95 ¤

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