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Samstag, 26. Mai 2012 | 01:48

 

Karl May: Der Schatz im Silbersee

24.08.2006

Winchestergefühle – echt echt!
Der Fortsetzungsroman erschien erstmals 1890/91 in der Jugendzeitschrift Der treue Kamerad. Das Hörspiel ist von 1955, produziert vom WDR. So ändern sich die Zeiten. Die Story jedoch ist der Ewigkeit entliehen: Blutsbrüder Old Shatterhand und Winnetou jagen hinter Cornel Brinkley her. Der skrupellose Lump versucht mit aller Macht, den Schatz im Silbersee zu finden. Und um an den Geheimplan zu kommen, geht er über Leichenberge. Edelmut gegen Schurkentum - so gehört sich das.

 

Das Hörspiel erlebte in den 50er und 60er Jahre eine wahre Blütezeit. Thematisch war alles dabei. Heute haben wir GZSZ, früher gab es äußerst aufwändige Hörspielserien mit Profisprechern. Das Niveau war hoch. So hoch, dass man problemlos in den erschaffenen Welten versinken konnte. Detailgetreu wurden die Vorlagen aber nie umgesetzt. Es war eine durchaus eigenständige Kunstform. Bei „Der Schatz im Silbersee“ beispielsweise griff der Bearbeiter Kurd Heyne stellenweise sehr stark in die Gesamtkomposition ein.
Herausgekommen ist ein überaus gelungenes Hörspiel, „Wirtschaftswunderkunst“ wie DIE PRESSE schreibt, auch wenn ganze Figuren praktisch verschwinden.

Karl Mays (1842-1912) literarischer Erfolg war hart erkämpft. Er arbeitete als Lehrer und Redakteur, saß des öfteren im Gefängnis und trieb sich heimatlos herum, bevor er Karriere als Schriftsteller machte. Dieser Kampf um die eigene Integrität prägt auch sein Werk überdeutlich.Seine Figur Winnetou wurde schließlich zum Idealbild des großmütig-weisen Indianers – für Generationen. Spät im Leben konnte May erst die Schauplätze seiner Romane mit eigenen Augen sehen. Das veränderte aber nichts, da sich sein eigener Kosmos ästhetisch schon längst verselbständigt hatte.

Diese Hörspiele sind eine unschätzbare Ergänzung zu Buch und Film, mit Sicherheit aber die gelungenere selbständige Form, die ganz ohne musikalische Kitschklebrigkeiten, dafür mit echter Kölner Kernigkeit auskommt. Und dass alles ein wenig klingt wie auf der Theaterbühne, nimmt der Geschichte keineswegs ihren Schwung, sie macht daraus nur echten Schißlaweng.

Christoph Pollmann


Karl May: Der Schatz im Silbersee
Hörspiel mit Kurt Lieck, Herbert Steinmetz, Heinz Schimmelpfennig, Jürgen Goslar u.v.a.
4 CDs, Laufzeit: 280 min.
ISBN 3-86604-099-7
Preis: 24,95 ¤
Produktion: WDR
Erschienen bei: Random House

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