Eine überkandidelte Romanze? Pustekuchen. Es gibt zwar viel Sternenhimmel, verzweifelte Liebe und die große Mühe, möglichst modern rüberzukommen, aber dann kommen halt doch immer wieder Sätze wie:
5 Millionen Jahre auf der Mülldeponie deiner Ich-Konstruktion – und schon ist alle angezapfte Romantik in den Orkus gesudelt. Das klingt einfach nicht nach Kunst, sondern nach zwölf Semestern
Oberseminar Klugscheißerlyrik – ohne Abschluss.
Noch ein Problem stellt sich dem einfühlsamen Zuhörer: Das ganze sogenannte Hörspiel kommt einfach nicht in Schwung, selbst wenn Alphaville und David Bowie zeitweise mitzupeppen versuchen. Und damit wenigstens irgendetwas passiert, wachsen einfach Elfenohren, es blicken große Manga-Augen in die weite Welt, man fliegt mit einem Raumschiff ins Uferlose...
Dieses Gehabe entspricht dem eines intellektuellen Tagebuchs - und es bleibt dennoch nur Bekenntnisliteratur der pubertären Art. Ergießungen und Träumereien für depressive Mädchen, die sich die Welt nur erzappt haben, genügen eben nicht:
Ich bin eine Schneekugel gefüllt mit Rauch. Finde mich! Schüttle mich! Der Hörer ahnt schon früh, worauf diese pinkfarbene Weltraumseifenkiste zusteuert...
Keine Dramaturgie! Diesen Spiegel muss man der Künstlerin namens softwareherz leider erbarmungslos vorhalten. Und allein ihr Pseudonym und der Titel der Produktion entblößen die Dimension des Schlamassel, in den sie sich da hineingekritzelt hat: verquaskopft und romanzensüß – das verursacht ganz natürliche Abschaltreaktionen.
Vor allem aber gibt es inhaltlich viel zu wenig, es bleibt alles Wortdürre, die bloß oasenhaft tut. Tötungsphantasien gepaart mit der Sehnsucht nach Liebe wären zwar ein ganz hübsches Thema (für einen mittelmäßigen TATORT), sie überfordern die Kunst von softwareherz allerdings deutlich. Leider ist auch die Sprecherin (vielleicht die Autorin selbst?) der Aufgabe nicht gewachsen, dieser rhetorischen Totgeburt noch ein Fünkchen Leben zurückzuhauchen. Erkenntnis: Die Welt ist eine Holografie! (Das kommt von zu viel Star Trek und zu wenig philosophischer Lektüre.) Aber Sehnsucht? Die haben wir alle. Aber man will sie einfach nicht so besserwisserlyrisch vorgesampelt bekommen. Zudem ist Sehnsucht allein kein Konzept, das sich dann einfach Hörspiel nennen lässt, wenn man ein bisschen was zusammenkleckst hat nach einsamen Strandspaziergängen mit ein bisschen zu viel Rotwein im etwas zu tristen Gemüt.
Christoph Pollmann
Softwareherz: Komm, lass unsere Haut Helium spalten
Hörspiel
Erschienen bei: Mairisch
1 CD, Laufzeit: 47 min.
Preis: 12,90 ¤
ISBN 3-938539-02-X