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Samstag, 26. Mai 2012 | 01:52

 

Klaus Mann: Mephisto. Gelesen von Dieter Mann

24.05.2007

Rothschild's CD-Tipp:

Uneitle Literaturvermittlung

Dieter Mann verdoppelt nicht den Text, sondern stellt eine Distanz her, die der Satire angemessen ist.

 

Wenn Klaus Mann nicht der Sohn des möglicherweise überschätzten Thomas Mann wäre, hätte man seinen „Mephisto“ vielleicht als einen der großen satirischen Romane der deutschen Literatur erkannt. Die Frage, ob es sich um einen Schlüsselroman handle oder nicht, die juristischen Begleitumstände seiner Veröffentlichung haben die Würdigung seiner literarischen Qualität, die von der politischen Bedeutung keineswegs beeinträchtigt wird, verhindert. Dass er sprachlich, im Aufbau und in seiner anhaltenden Aktualität nichts an Wirkung verloren hat, kann jetzt an Hand einer Lesung auf 2 CDs überprüft werden.
Dieter Mann, der Star des Deutschen Theaters in Berlin, gekennzeichnet durch seinen charakteristischen schmallippigen, ein wenig schiefen Mund, liest Klaus Manns (gekürzten) Roman in unübertrefflicher Vollkommenheit. Im Gegensatz zu minder begabten Schauspielern, geschult auch an Brecht, weiß er, dass Komisches nicht durch Übertreibung verdeutlicht, sondern zerstört wird. Er spricht den Text im zurückgenommenen Tonfall, der nur gelegentlich, vorwiegend in direkter Rede, durch kleine Abweichungen unterbrochen wird. Dieter Mann „spielt“ den eitlen Schauspieler, der zum wichtigsten Intendanten des Dritten Reichs wurde, ganz und gar uneitel. Er verdoppelt nicht den Text, sondern stellt eine Distanz her, die der Satire angemessen ist. Wenn Hörbücher meist nur der Faulheit dienen und weit hinter der eigenen stillen Lektüre zurückbleiben, so liegt hier ein seltenes Beispiel einer akustischen Vermittlung erzählender Literatur vor, das das Vergnügen am Text steigert. Prädikat: unbedingt empfehlenswert.

Thomas Rothschild


Klaus Mann: Mephisto. Gelesen von Dieter Mann. 2 CD. Ohreule/Eulenspiegel. ISBN: 978-3-359-01097-5.

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