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Samstag, 26. Mai 2012 | 01:53

Gudrun Schury: Das Leben des Wilhelm Busch

08.01.2008

Mitunter Feder- und Bleistift-Dichter

Eine Biographie- und eine CD-Empfehlung zum 100. Todestag von Wilhelm Busch am 9.1.08. Von FRANK THOMAS GRUB

 

Wer kennt sie nicht, die Geschichten von „Max und Moritz“ oder von „Hans Huckebein“, dem „Unglücksraben“? Vor 100 Jahren, am 9. Januar, starb der Schöpfer dieser und vieler weiterer Figuren: Wilhelm Busch. Die hintergründigen Bildergeschichten machen jedoch nur einen Teil von Buschs Werk aus. Unter dem Titel „Ich wollt, ich wär ein Eskimo“ hat die Literaturwissenschaftlerin Gudrun Schury eine umfangreiche Biographie des Dichters und Malers vorgelegt, der auch als einer der Urväter des Comics gelten kann.

Geboren wurde Wilhelm Busch am 15. April 1832 in Wiedensahl. Die polytechnische Schule in Hannover brach er 1851 ab, um in Düsseldorf, Antwerpen und schließlich München Kunst zu studieren. In der bayerischen Hauptstadt schrieb und zeichnete er u.a. für die „Fliegenden Blätter“, wurde Mitglied der Künstlergesellschaft „Allotria“ und lernte den Maler Franz Lenbach kennen. 1865 erschien „Max und Moritz“, fünf Jahre später musste sich Busch nach der Veröffentlichung von „Der heilige Antonius von Padua“ wegen „Herabwürdigung der Religion und Erregung öffentlichen Ärgernisses durch unzüchtige Schriften“ vor Gericht verantworten.

Pläne, als Bienenzüchter nach Brasilien zu gehen, gab er auf, und so konnte er 1893 eine anspielungsreiche Zwischenbilanz ziehen: „Nie Bienenzüchter; / Stets Raupenvernichter; / Mitunter Feder- und Bleistift-Dichter.“ Zusammen mit seiner Schwester Fanny zog er 1898 zu seinem Neffen Otto Nöldeke ins Pfarrhaus von Mechtshausen am Harz, wo er knapp zehn Jahre später starb. Im selben Jahr äußerte Paul Klee über ihn: „Kein Kitscher, sondern ein wohlorientierter Europäer. Einige Kerle mit roten Jacken gehören in eine Gemäldegalerie, sind durchaus gut.“

Gut recherchierte und kurzweilige Lektüre

Gudrun Schurys in Anlehnung an Modest Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ in „Promenaden“ und „Bilder“ gegliederte Biographie zeigt Busch und sein Werk in seiner Vielschichtigkeit. Einige Kapitel setzen sich schwerpunktmäßig mit bestimmten Themen auseinander, etwa den „Todesarten“ oder Buschs Frauen-Darstellungen, beispielsweise in Gestalt der „frommen Helene“. Leider enthält der Band einige fragwürdige Sätze („Seit der Romantik ist ‚Naturpoesie’ salonfähig.“) und unangemessene Vergleiche, doch alles in allem ist Schurys Buch eine gut recherchierte und zudem kurzweilige Lektüre.

Wer sich Wilhelm Busch hörend nähern möchte, dem sei die CD „Unterhaltsames und Ungehöriges für Kinder“ des Duos „pianoworte“ empfohlen. Der in Kiel geborene Pianist Bernd-Christian Schulze und der aus Wien stammende Schauspieler Helmut Thiele präsentieren „Hans Huckebein“, „Fipps der Affe“ und weitere Werke in einer ganz eigenen Mischung aus Wort und Musik. Die Kompositionen stammen von Violeta Dinescu, Stefan Esser und Andreas N. Tarkmann. Statt Bilder zu sehen Musik zu hören, ist zweifellos eine Gratwanderung, auf die man sich einlassen muss. Tut man dies aber, so lassen sich neue Perspektiven gewinnen.

 

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