Zugegeben schillernde Begriffe sind die Romantik und das Romantische. Sie wecken Sehnsüchte nach einer anderen, einer verborgenen Welt, auch nach einer magischen, in der plötzlich das möglich scheint, was gemeinhin unmöglich ist. Ein sehnsuchtsvolles Denken ist damit gemeint, das Grenzen überschreiten möchte, das Kreativität und Phantasie ins Spiel bringt, wo die bloße Vernunft nur Unüberschreitbares sieht. Insofern ist dieses Denken, das romantische, zeitlos, während die Romantik gleichwohl Geschichte und vorbei ist.
Schon beim Buch fragte man sich, wie es Safranski überhaupt schafft, auf gut 400 Seiten die Romantik und das Romantische abzuhandeln, ohne Wesentliches zu ignorieren. Dass hier der Schwerpunkt der Darstellung mehr auf die Lesbarkeit und die Unterhaltung einer größeren Leserschaft abzielte als auf Vollständigkeit, war schnell klar, wird aber nun, angesichts eines „abgespeckten“ 330-Minuten-Auszugs, noch deutlicher. Das vorliegende Hörbuch muss also noch mehr als das Buch auf Vollständigkeit, auf das Detail verzichten und es wirft stattdessen geschickt arrangierte Schlaglichter, reiht dramaturgisch sinnvoll Episode an Episode und schafft so einen Zugang zur Romantik und zum Romantischen. Dies alles wirkt ungewöhnlich „rund“, auch widerspruchslos. Das ist freilich dann kein Nachteil, wenn man sich vor Augen hält, was wir vor uns haben: gute Unterhaltung auf gehobenem Niveau. Zudem wird sie von Safranski mit ruhiger und angenehmer Stimme vermittelt, was den Eindruck einer gewissen Behaglichkeit und Bildungsbürgerlichkeit noch verstärkt.
Safranski möchte den Leser und nun auch den Hörer auf eine Reise in die romantischen Gefilde der deutschen Geistesgeschichte mitnehmen – dies ist ihm rhetorisch in beeindruckender Weise gelungen. Und wer weiß, vielleicht möchte sich der ein oder andere nach diesem Einstieg in das Thema noch etwas näher mit der Epoche der Romantik beschäftigen. Dann wird er oder sie allerdings schnell merken, dass die Romantiker und das romantische Denken wesentlich wilder und widerspruchsvoller, auch komplexer sind, als sie hier aufscheinen. Der romantische Geist, den wir bei Safranski kennen lernen, ist ein bereits gezähmter, ein bürgerlich eingehegter, ein geordneter, was aber mit der Romantik selbst in einem gewissen Widerspruch steht.