Kennzeichen T - 25.05.2012 Thomas Kistner: Fifa-Mafia Frankie Chavez: Family Tree von Michael Ebmeyer "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Der FUTTERblog - streng verdaulich!
Samstag, 26. Mai 2012 | 01:53

Rüdiger Safranski: Romantik. Eine deutsche Affäre

07.04.2008

Romantik für die Ohren

Wer nicht zum Lesen kommt, für den gibt es das Hörbuch: Romantik. Eine deutsche Affäre, gelesen von Rüdiger Safranski, schafft einen unterhaltsamen Zugang zur Romantik und zum Romantischen.Von FRANK KAUFMANN

 

Zugegeben schillernde Begriffe sind die Romantik und das Romantische. Sie wecken Sehnsüchte nach einer anderen, einer verborgenen Welt, auch nach einer magischen, in der plötzlich das möglich scheint, was gemeinhin unmöglich ist. Ein sehnsuchtsvolles Denken ist damit gemeint, das Grenzen überschreiten möchte, das Kreativität und Phantasie ins Spiel bringt, wo die bloße Vernunft nur Unüberschreitbares sieht. Insofern ist dieses Denken, das romantische, zeitlos, während die Romantik gleichwohl Geschichte und vorbei ist.

Schon beim Buch fragte man sich, wie es Safranski überhaupt schafft, auf gut 400 Seiten die Romantik und das Romantische abzuhandeln, ohne Wesentliches zu ignorieren. Dass hier der Schwerpunkt der Darstellung mehr auf die Lesbarkeit und die Unterhaltung einer größeren Leserschaft abzielte als auf Vollständigkeit, war schnell klar, wird aber nun, angesichts eines „abgespeckten“ 330-Minuten-Auszugs, noch deutlicher. Das vorliegende Hörbuch muss also noch mehr als das Buch auf Vollständigkeit, auf das Detail verzichten und es wirft stattdessen geschickt arrangierte Schlaglichter, reiht dramaturgisch sinnvoll Episode an Episode und schafft so einen Zugang zur Romantik und zum Romantischen. Dies alles wirkt ungewöhnlich „rund“, auch widerspruchslos. Das ist freilich dann kein Nachteil, wenn man sich vor Augen hält, was wir vor uns haben: gute Unterhaltung auf gehobenem Niveau. Zudem wird sie von Safranski mit ruhiger und angenehmer Stimme vermittelt, was den Eindruck einer gewissen Behaglichkeit und Bildungsbürgerlichkeit noch verstärkt.

Safranski möchte den Leser und nun auch den Hörer auf eine Reise in die romantischen Gefilde der deutschen Geistesgeschichte mitnehmen – dies ist ihm rhetorisch in beeindruckender Weise gelungen. Und wer weiß, vielleicht möchte sich der ein oder andere nach diesem Einstieg in das Thema noch etwas näher mit der Epoche der Romantik beschäftigen. Dann wird er oder sie allerdings schnell merken, dass die Romantiker und das romantische Denken wesentlich wilder und widerspruchsvoller, auch komplexer sind, als sie hier aufscheinen. Der romantische Geist, den wir bei Safranski kennen lernen, ist ein bereits gezähmter, ein bürgerlich eingehegter, ein geordneter, was aber mit der Romantik selbst in einem gewissen Widerspruch steht.

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Maler der Farben und Formen

Üppige Figuren und bunte Farben sind die Markenzeichen des kolumbianischen Malers Fernando Botero. Anlässlich seines 80. Geburtstags zeigt die Galerie Samuelis Baumgarte Bilder, ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...