Die zu Recht hoch gelobte Silberfuchs-Länderreihe wird in diesem Sommer mit dem Länderhörbuch „Türkei“ fortgesetzt. Die neue Hörreise folgt dabei dem bereits bei so unterschiedlichen Länderbeiträgen wie Japan und Russland bewährten Konzept: Eine visuell ansprechende Ausstattung mit einer farbintensiven Covergestaltung und informativem Booklet trifft auf höchste Hör- und Informationsqualität. Die steilen Klippen des aufdringlich didaktischen Bildungsfunks umschiffen die Macher wieder einmal sehr geschickt.
Die Reihe setzt schlaglichtartig Akzente in den Bereichen Geschichte, Kunst und Kultur und erhebt dabei gar nicht erst den Anspruch breitestes Länderbasiswissen in 80 Minuten vermitteln zu können. Was eine Hörreise jedoch auch zu einem Hörerlebnis machen kann, ist das gelungene Zusammenspiel von Musik und Text. So sind die CDs der Reihe „Länder hören“ tatsächlich klingende Reiseführer, von vorne bis hinten voll gepackt mit wunderbarer Musik. Die Türkei erklingt mit den archaischen Lauten Anatoliens ebenso wie mit mystischen Chorälen aus Byzanz, dem melancholischen Gesang der Aleviten und dem modernen west-östlichen Crossover des türkischen Komponisten Ahmed Adnan Saygun. Die Klangqualität der kurzen Hörbeispiele kann auch höchste audiophile Ansprüche befriedigen.
Von Derwischen und Nobelpreisträgern
Als Sprecher der Hörreise fungiert der deutsch-türkische Schauspieler Ercan Durmaz, der mit ruhigem, zurückhaltendem Timbre durch die Kulturgeschichte der Türkei führt. Seine nahezu zärtlichen Gedichtrezitationen zählen zweifelsohne zu den schönsten und fragilsten Momenten des Türkei-Hörbuchs. Durmaz erfasst stimmlich die Vielfalt einer Kultur, die römische, griechische und asiatische Wurzeln in sich vereint und sich bis heute so multikulturell präsentiert, dass es schwer scheint, sie auf einen Nenner zu bringen.
Das Türkei-Hörbuch versucht sich glücklicherweise gar nicht erst an diesem Kunststück. Es präsentiert die Vielfalt der kulturellen Strömungen der Türkei nebeneinander in kleinen, auch voneinander getrennt hörbaren Parzellen. So entsteht allerdings an manchen Stellen der Eindruck einer etwas zu beliebigen, da einzig chronologisch gegliederten Erzählstruktur. Sprich: Die wirbelnden Derwische tauchen dann doch etwas unvermutet neben dem Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk auf.
Die spinnen, die Römer!
Zeitgleich zu „Türkei hören“ erscheint in dieser Reihe auch eine Frankreich-Hörreise. Für die von Dietmar Mues etwas exaltierter, aber um nichts schlechter eingelesene CD gilt Ähnliches: Sie schafft einen exemplarischen Zugang zur Kulturgeschichte Frankreichs und weiß gleichzeitig glänzend zu unterhalten. Dass sie mit dem unvermeidlichen und etwas abgeschmackten Hinweis auf ein kleines gallisches Dorf, das sich beharrlich gegen die römische Besatzung wehrt, beginnt, sei ihr noch einmal verziehen.
Wer also nach informativen, lehrreichen und unterhaltsamen Hörerlebnissen sucht, der wird an der Länder-Reihe des Silberfuchs-Verlages nur schwerlich vorbeikommen.