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Samstag, 26. Mai 2012 | 01:55

Hans Korte liest George Orwells "Farm der Tiere"

09.10.2008

Der Schweinestaat

Zwei Meister unter sich: Hans Korte liest George Orwells „Farm der Tiere“ und verschafft dem satirischen Märchen einen veritablen Hörauftritt. Von SEBASTIAN KARNATZ

 

George Orwells „Farm der Tiere“ gilt – selbstverständlich zu Recht – als einer der bedeutendsten Texte der Weltliteratur. Scheinbar schlicht und in das Gewand eines tierischen Märchens gehüllt entlarvt der liberale Demokrat Orwell die Mechanismen des kommunistischen Staatsterrors: „Alle Tiere sind gleich, aber einige Tiere sind gleicher als andere.“ Die politische Satire ist ein vergnügliches und zugleich bedrückendes Meisterwerk, das auch heute noch, gut 60 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung, seine Leser findet.
Es ist also beileibe keine leichte Aufgabe die „Farm der Tiere“ in die Welt des Hörbuchs zu überführen. Zu präsent sind dem Hörer die zum geflügelten Wort gewordenen Zitate, zu sehr ist die Geschichte der Rebellion auf der Herrenfarm im weltliterarischen Gedächtnis verankert. Der Diogenes-Verlag hat für diese ungekürzte Lesung den erfahrenen Schauspieler und Sprecher Hans Korte gewinnen können – jenen Korte, der bereits etlichen anderen Klassikern des Verlags zu einem veritablen Hörauftritt verhalf.
Man durfte sich also einiges erwarten von Kortes Lesung der Orwell’schen Fabel. Und in der Tat erwachen unter der sonoren, knurrigen Stimme Kortes die tierischen Protagonisten neuerlich zum Leben. Schon treten sie alle vor das innere Auge des Hörers: Der unverbesserliche Utopist Schneeball mit den Zügen Trotzkis, der Stalin nachempfundene Diktator Napoleon mit seiner verschlagenen Schweine-Entourage, der unerbittlich arbeitende Proletarier Boxer und all die anderen Tiere, die die „Farm der Tiere“ bewirtschaften.

Eine packende Fabel

Korte trifft den subtilen Märchenton Orwells passgenau und konzentriert die Geschichte auf ihren narrativen Kern. Denn im Gewimmel von Anspielungen und allegorisch aufgeladenen Figuren gerät so manchem Exegeten das eigentliche Erfolgsgeheimnis dieser ewig jungen Erzählung aus dem Blick: Die „Farm der Tiere“ funktioniert nämlich nicht nur als analytisch-satirische Faschismusparabel, sondern auch und in erster Linie als packende Fabel. Als Verwirklichung einer utopischen Staatsidee erschafft sich die neue Republik der Tiere selbst – und läuft durch die faschistoide Unterdrückung eines selbsternannten Führers immer mehr ins eigene Verderben. Orwell erzählt diese Geschichte beiläufig und einfühlsam; die Dummheit der Tiere hindert sie an einer neuerlichen Revolution – sie vertrauen ihren Führern blind bis in den Tod.
Der Untergang des tierischen Staatswesens ist gleichzeitig auch ein Triumph des satirischen Erzählens: humorvoll, spannend und stets mit einem Schuss zynischer Bitterkeit versetzt. Korte arbeitet die verschiedenen Facetten des Stoffes unaufdringlich heraus, variiert wenn nötig leicht seine Tonlage und deckt trotzdem auf diesen drei CDs ein weit größeres Register an Nuancen ab als die meisten seiner Kollegen in ihrer ganzen Karriere. Wer also die „Farm der Tiere“ für sich neu entdecken will und dabei Hörbuchbearbeitungen nicht abgeneigt ist, bekommt in dieser ungekürzten Lesung den vielleicht besten Orwell für die Ohren, den es jemals gegeben hat. Das schmucke 3-CD-Paket (mit einer Coverzeichnung von Tomi Ungerer) wird zusätzlich abgerundet durch ein Booklet mit Orwells Essay „Die Pressefreiheit“, der ursprünglich als Vorwort der Erzählung geplant war.

 

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