Kennzeichen T - 25.05.2012 Men in Black 3 - jetzt im Kino! Frankie Chavez: Family Tree von Michael Ebmeyer David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert
Samstag, 26. Mai 2012 | 01:57

Franz Hohler liest Franz Hohler

05.01.2009

Zufälle und Unglücksfälle

Wie aberwitzig, grotesk und tragikomisch der ganz normale Alltag sein kann, eröffnet uns der Schweizer Franz Hohler in seinem neuesten Hörbuch. Von INGEBORG JAISER

 

Als Kabarettist zog sich der 65jährige Franz Hohler bereits Anfang 2008 von der Bühne zurück, doch als Schriftsteller mag er nicht in den Ruhestand treten. Der Stoff für Literatur wird dem genauen Beobachter und geübtem Zuhörer, dem lustvollen Flaneur und ambitionierten Wanderer wohl niemals ausgehen. Ob er nun Menschen, Tiere oder Pflanzen beschreibt – kein Detail, keine noch so kleine Nuance entgeht seiner Aufmerksamkeit.

„Das Ende eines ganz normalen Tages“ versammelt 36 alltägliche Texte ganz unterschiedlicher Couleur: Kurz- und Kürzestgeschichten, Erzählungen, Reiseimpressionen, Essays, Dramolette, Anekdoten, Momentaufnahmen. Mal humorvoll und komisch, mal bissig und satirisch, mal nachdenklich und melancholisch – aber immer gerade heraus, mit klarem, unverstelltem Blick und einer guten Portion Sympathie. Vieles davon ist sicherlich nicht als große Literatur angelegt, sondern entstand quasi nebenbei: auf den zahlreichen Reisen zu Auftritten und Lesungen, auf Spaziergängen und Wanderungen, beim Einkaufen oder Fernsehen.

Literarische Miniaturen

Ihren einzigartigen Charakter entfalten Hohlers Texte am ehesten dann, wenn sie von ihm selbst gelesen werden. Auch wenn seine ruhige, vom Schweizer Idiom gefärbte Stimme Gleichförmigkeit und Bedächtigkeit vorgaukelt, brodelt es unter der Oberfläche der Worte. Da liegen Komik und Kritik, Witz und Weisheit oft nah beieinander, wenn der Autor vom abstrusen Rabatt-Aktionskauf ökologisch abbaubarer Unterhosen berichtet („Gutscheine“) oder von einer ernüchternden Reise durchs vermeintlich „Gelobte Land“. Dabei verleiht Hohler seinen Geschichten stets eine persönliche Färbung: mal sind es Reflexionen über das Älterwerden, mal biographische Notizen zu seinen Vorfahren, mal die Beschreibung ganz privater Ereignisse im Schatten großer Katastrophen. Hier setzt auch die Titelstory ein, die beschreibt, wie der Autor am 11. September 2001 nichts ahnend mit seiner Schwiegermutter den Kinofilm „Dr. Dolittle 2“ anschaut, während auf einem anderen Kontinent die Twin Towers einstürzen.

Im Grunde ist Hohlers Doppel-CD „Das Ende eines ganz normalen Tages“ nicht zum durchgängigen Konsum gedacht, eher zum häppchenweise Goutieren und Auf-der-Zunge-zergehen-lassen. Trotz ihrer kurzen Form sind diese literarischen Miniaturen nicht für Fast-Food-Anhänger geeignet - dafür steckt zuviel Hintersinn und Tiefgang in ihnen. Vielleicht sollte man sie wie Kalenderblätter betrachten, von denen man schließlich täglich auch nur eines abreißt.

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Maler der Farben und Formen

Üppige Figuren und bunte Farben sind die Markenzeichen des kolumbianischen Malers Fernando Botero. Anlässlich seines 80. Geburtstags zeigt die Galerie Samuelis Baumgarte Bilder, ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...