Um Ihnen eine erste Orientierung zu geben: wir befinden uns in den us-amerikanischen 70er Jahren. Sie wissen schon: Nixon, Watergate, Ende des Vietnamkriegs, Apple, Bonanza, Kojak, der weiße Hai, das erste Comeback der Bee Gees, Flokatiteppich, der lebende Flokati Bobby Fischer - ist alles wieder da? Eines haben wir vergessen: den Untergang des Autokinos, die bevorzugte Heimat des Trashfilms. Das Konzept "Trash" ist recht übersichtlich: Es fehlt beim Dreh an Geld genau in dem Maße, in dem es an Talent fehlt, und das bei der halsbrecherischen Ambition einen "wirklich guten“ Film zu machen. Also meistens. Denn Pussy Stanton (eigentlich Pussy Strohmeier) gerät an den Filmemacher Teddy Romero, und dem ist die Qualität seines Ouevre schlicht schnurz. Hauptsache Därme, Zombies, Vergewaltigungen, Nazis. Oder noch besser Nazizombis und Darmvergewaltigungen. Wie auch immer, denn eigentlich wird jede Szene erst an dem Tag geschrieben, an dem sie gedreht wird (und worin immer nur finstere Männerphantasien befriedigt werden). Manchmal hängt auch schon das Filmplakat und es gibt noch keinen einzigen Take, oder drei Filme werden gleichzeitig gedreht. Unter all dem leidet selbstverständlich nicht nur die Qualität und die Darsteller, sondern vor allem der sensible Autor Paul.
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Aber vorweg vielleicht mal eine kurze Einführung in die Story. In der neuesten C-Film-Vision von Teddy Romero steht im Mittelpunkt der geheimnisvolle Dr. Wu, der die Weltherrschaft anstrebt durch Zombifizierung der Menschheit. In seinem Auftrag leitet eine Nazi-Domina ein Dschungelgefängnis für Frauen, was natürlich viel Raum für wichtige Lesbenszenen gibt, die den Film auf die benötigte Endlänge strecken. Doch dann überrollt ein Tsunami das Set und eine Darstellerin wird ermordet. Aber am Ende flackert der fertige Film dann doch noch im Licht eines Autokinos, wo Pussy und Paul, inzwischen ein Liebespärchen, sitzen und schockiert von der Qualität des Produktes die Zerstörung des Filmmaterials besorgen.
Parodie und Hommage
Das alles spielt aber nicht wirklich eine Rolle, denn Walk of Fame ist eine Hommage und Parodie zugleich, eine Hommage an den Trash-Film. Und den gibt es immer noch. Gerade jetzt im Super-Wahljahr 2009 sogar in Hülle und Fülle. Was da wieder für Parteienspots kommen werden, die jeglicher Ästhetik vors Schienbein treten. Und dann wollen sie diesmal auch noch alle die Welt retten! Die Obamisierung der Spitzenpolitik...
Doch wir reden bei Walk of Fame glücklicherweise von einem Hörspiel. Jetzt können sich natürlich wenige von Ihnen vorstellen, wie man einen durch und durch schlechten Film in ein durch und durch geniales Hörspiel packt. Und genau hier ist sie - die Innovation. Denn es funktioniert wunderbar und noch dazu auf sehr intelligente Weise: ein echtes Hörabenteuer, mit Vollgas durch die Trash-Kultur!
Es gibt dabei nicht nur die Handlung, sondern auch noch overdubte Kommentare vom gutgelaunten Jörg Buttgereit und von Thilo Gosejohann, beides ausgewiesene Kenner der Szene und selbst Regisseure. Und das ist natürlich ein wunderbarer Dreh von Ullrich Bassenge, um genau den richtigen Abstand zu der Thematik einzunehmen: Man wird gut verortet zwischen primitiver Schaulust und intellektuellem Abscheu.
Walk of Fame ist Kino-Hörspiel total. Die Produktion gewann den ARD online Award und ist nun nominiert für den Hörbuchpreis 2009 in der Kategorie beste Fiktion. Das wird ein Klassiker, Hand drauf!
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