Kennzeichen T - 25.05.2012 Thomas Kistner: Fifa-Mafia Frankie Chavez: Family Tree von Michael Ebmeyer Andrea Maria Schenkel: Finsterau Der FUTTERblog - streng verdaulich!
Samstag, 26. Mai 2012 | 01:59

pressplay 2: Die Anthologie der freien Hörspielszene

23.04.2009

Unter dem Rauschen hört man die Glocken

Eine Anthologie der besonderen Art hat der mairisch-Verlag herausgebracht. 20 Hörspiele, so unterschiedlich wie das Genre selbst, versammeln sich auf der neuen Kompilation „pressplay 2“. Darauf präsentiert sich die aktuelle Hörspielszene vielseitiger denn je. Von SIMONE UNGER

 

Im Schatten großer Sendeplätze gedeiht seit ein paar Jahren die freie Hörspielszene. Immer mehr Autoren produzieren Stücke auf höchstem technischen Niveau und machen sich vor allem über Wettbewerbe einen Namen. Diese Entwicklung hat nun der mairisch-Verlag zum Anlass genommen, zum zweiten Mal eine Anthologie der freien deutschen Hörspielszene zu präsentieren. „Pressplay 2“ ist noch besser als der Vorgänger aus dem Jahr 2006, denn auf der neuen Ausgabe zeigen die Autoren, wie sich die ganze Bandbreite des Mediums ausschöpfen lässt.

Das Spektrum reicht von knapp dreiminütigen Klangcollagen bis hin zu einstündigen Hörspielen, Features wechseln sich mit experimentellen Stücken ab. Der Hörer taucht ab in den Groove der Großstadt, lauscht elektronischen Orakeln und Klopfzeichen, dringt ein in die Geschichte einer depressiven Schauspielerin und folgt Pendlern auf ihrer täglichen Reise im ICE. Dadurch entsteht ein sehr facettenreiches Bild, das nicht nur durch die durchgängig hohe technische Qualität besticht. Auch die Zusammenstellung macht die Anthologie zu einem Hörerlebnis voller Überraschungen.

Jenseits der Effekte


In den Vordergrund treten dabei vor allem die stilleren Stücke, die fast ohne akustische Effekte auskommen und stattdessen auf die Präsenz der Stimme setzen – wie in Robert Schöns beeindruckendem Hör-Stück „Sybille“, dem Porträt einer manisch-depressiven Schauspielerin. Mit wenigen Mitteln gelingt es ihm, eine Atmosphäre von klammer Verschlossenheit zu erzeugen. Ähnlich intensiv, wenn gleich mit größerem technischen Aufwand produziert, wirkt auch Mia Frimmers „den einen, die eine“, eine Montage aus Textfragmenten und Monologen über die Liebe, die Sehnsucht und den Spannungen dazwischen.

Andere Hörspiele wiederum erinnern eher an kunstvoll vorgetragene Etüden: Hinter den technischen Effekten vermisst man hier manchmal eine tragende Idee, so dass diese Stücke trotz aller Raffinessen nicht lange im Gedächtnis bleiben. Doch verringert dieser Eindruck nicht die Gesamtwirkung, denn erstens ist eine Anthologie immer so gut wie ihr bestes Stück, und zweitens halten auf „pressplay 2“ gerade die musikalischeren Samples die dramaturgische Spannung in der Anthologie. Sie machen die Serie zu einem wirklich abwechslungsreichen Hörerlebnis.

Frei und bekannt


Einziger Kritikpunkt: Überraschend ist leider, dass die meisten der vorgestellten Autoren weniger unbekannt sind, als es der Anspruch der Anthologie nahe legen würde. Allen voran ist hier Paul Plamper zu nennen, dessen Kurzhörspiel „Kühlschrank“ Teil seiner Dramat-Mix Reihe ist, die er zusammen mit Beat Halberschmidt 2005 für den WDR produziert hat. Neben ihm gehören Felix Kubin, Jens Jarisch und nicht zuletzt der Herausgeber Claes Neuefeind selbst, der ebenfalls mit einem Stück vertreten ist, zu den Autoren, die bereits mit beiden Beinen fest im Geschäft verankert sind.

Auch die übrigen Hörspielmacher sind zumeist keine Unbekannten mehr. Häufig stammen sie aus dem Umfeld einschlägiger Wettbewerbe wie dem Plopp-Award und dem Leipziger Hörspielsommer. Einige von ihnen waren sogar schon auf der ersten Anthologie vertreten. Diese Tendenz zeigt, wie eng das Netz auch in so genannten freien Szenen gewebt ist. Selbst für engagierte Verlage scheint es schwierig, gute Autoren zu finden, die bislang noch keine Chance hatten, ihre Stücke einem größeren Publikum, geschweige denn den Hörspielredakteuren vorzustellen. Das ist bedauerlich, denn besonders für letztere ist die Anthologie eine hervorragende Möglichkeit, bislang noch wenig bekannte Talente zu entdecken. Für alle anderen bietet sie eine spannende Abwechslung zum klassischen Radio-Programm.

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Maler der Farben und Formen

Üppige Figuren und bunte Farben sind die Markenzeichen des kolumbianischen Malers Fernando Botero. Anlässlich seines 80. Geburtstags zeigt die Galerie Samuelis Baumgarte Bilder, ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...