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Samstag, 26. Mai 2012 | 02:03

Frank Goosen: Radio Heimat / Hörbuch

12.04.2010

Vonne Alleestraße weg - und geblieben

Die zeitgleich zum Buch (siehe TITEL-Besprechung) erschienene Hörbuchfassung von Radio Heimat macht deutlich, was Frank Goosen am besten kann: Geschichten erzählen. Geschichten, die der Alltag schreibt. Von den Kindheitserinnerungen der Großeltern bis in die Gegenwart ziehen sich die in einem sehr persönlichen Ton erzählten Anekdoten aus dem „Herzen der schönsten deutschen Provinz“ – dem Ruhrgebiet. Und am besten ist das alles dann, wenn es vom Autor selber vorgelesen wird. Von TOM ASAM

 

„Ich komme in Bochum vonne Alleestraße weg“, stellt sich der Erzähler vor, und schafft es vom ersten Moment an, Sympathien zu wecken für die von rauer Herzlichkeit geprägten Menschen aus seinem Umfeld. Diese sorgen dafür, dass er – obwohl Einzelkind und aufgewachsen „in einer Gegend ohne viele Bibliotheken“ – das Wort Langeweile gar nicht kennt. Wie auch, in einer Familie mit Onkel Josef und seine „Else“ (traditionelles Synonym für Gefährtin), an deren Seltersbude beim Stadion sich die Fans kurz vor dem Spiel gerne noch billig Flaschenbier zuführen. Tante „Matta“ (der Ruhrpottmensch spricht das R mitten im Wort nicht gerne) kümmert sich um alles und jeden und sorgt dafür, dass immer saubere Unterwäsche getragen wird. Man könnte ja einen Verkehrsunfall haben und im Krankenhaus landen – mit schmutziger Unterhose!

 

Wenn Mücke, Pommes und Spüli keine Zeit zum Kicken haben, kommt garantiert der Laberfürst um die Ecke, einer jener Mitbürger, die „von nichts ne Ahnung haben – aber immer große Fresse!“ – und labert ohne Punkt und Komma. Oder Theo erklärt in seinem „Schrebbergarten“ in der Kleingartenanlage Engelsburg, gleich neben dem Aschenplatz von SV Germania, dass im deutschen Fußball auch früher nicht alles so toll war: „Da ham die auch zu achtzig Prozent Scheiße gespielt. Will nur heute keiner mehr wissen“, poltert er – und wenn’s richtig ernst wird, versucht er gar ins Hochdeutsche zu wechseln!

 

Kein Problem mit Heimat - Denn woanders is auch Scheiße!

Goosen lässt in seinen kurzweiligen Geschichten keinen Zweifel daran, um was es ihm bei „Heimat“ in erster Linie geht: um die Menschen! Bei aller Kauzigkeit und Direktheit haben diese durchaus ein Gespür für Toleranz. Die Jungs lassen schon mal ein Mädchen mitkicken (und werden prompt vorgeführt). Und wenn der Vater vom „Schwatten“ spricht, meint er das alles andere als despektierlich, war sein Held doch Muhammad Ali. „Wenn Ali boxte war Vater hellwach!“ Frank Goosen erzählt in sehr persönlichem Ton von Menschen aus dem Herzen seiner Heimat – aus seinem eigenem Herzen. Deshalb ist Goosen hören in diesem Fall fast noch besser als Goosen lesen. Zumal diese kurzweilige Autorenlesung merklich von der Bühenerfahrung profitiert, die er als Musiker und Kabarettist gesammelt hat.

 

Von dieser Mischung aus Herzblut und Professionalität können Sie sich selbst überzeugen, wenn Frank Goosen demnächst in Ihrer Nähe liest oder mit seinem aktuellen Kabarettprogramm vorbeischaut. Falls nicht: vielleicht einfach mal zuhause bleiben und alte Familiengeschichten aufleben lassen. Weil: „Woanders is auch scheiße!“

 

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