Neuer Ansatz zur Bekämpfung von HIV
Die erste der beiden CDs befasst sich, grob gesprochen, mit dem Virus im Allgemeinen; Geschichte und Methoden der Virenforschung werden von Mölling erschöpfend erläutert. Sie distanziert sich hier von der üblichen Antihaltung und dem Kampfvokabular, mit dem jene Grenzgänger zwischen lebender und toter Materie von uns bedacht werden, da ihnen ein pauschales Abstempeln als Krankheitserreger nicht gerecht wird. Zum Ende der CD wird schließlich das HI-Virus als zentrales Thema eingeführt, das auf der zweiten CD dann ausführlich behandelt wird. Hier breitet die Züricher Professorin einen von ihr aktuell erforschten, neuartigen Ansatz zur Bekämpfung von HIV aus. Bei diesem soll das Pferd von hinten aufgesattelt werden – anstatt nach einem Medikament zu forschen, das die Ausbreitung des Virus im Körper hemmen soll, forscht sie nach einer Methode, durch die das Virus dazu gebracht werden soll, den Schritt zu seiner Vermehrung zu früh durchzuführen. Auf diese Weise wird es eventuell möglich sein, HI-Viren in den Selbstmord zu treiben, bevor sie eine Zelle befallen können.
Der für sein Gesamtprogramm mit dem Deutschen Hörbuchpreis und dem Kurt-Wolff-Preis für besondere Projekte ausgezeichnete Verlag supposé tat, wie eingangs bereits angedeutet, gut daran, auf eine Transkription von Möllings freier Rede und den Einsatz eines professionellen Sprechers zu verzichten, da die Unmittelbarkeit des Vortrags ansonsten verlorengegangen wäre. Man kann Möllings lebendiger Erzählung insgesamt gut folgen, nur zum Ende hin verlangt sie dem Hörer einiges an Konzentration ab, damit dieser nicht den Faden verliert. Dies liegt daran, dass nach und nach immer mehr Fachbegriffe etabliert und entsprechend öfter verwendet werden. Die Ursache dafür – man kennt das ja – ist sicher auch darin zu finden, dass zum Ende der Vorlesung die Aufmerksamkeit, die dem Dozenten geschenkt wird, schlicht und ergreifend nachlässt.
Mölling hat es verstanden, ihren Fachbereich für den Laien in interessante und aufschlussreiche Worte zu verpacken. Der Verlag wiederum hat die beiden CDs in einer schönen Papphülle verpackt, inklusive elektromikroskopischer Aufnahmen von HI-Viren und ein von Mölling liebevoll handgeschriebenes und -gezeichnetes, 20-seitiges Booklet, das während ihrem Vortrag den klassischen Einsatz von Flipcharts ersetzt. Die Frage, warum auf dem Cover neben der Professorin ausgerechnet ein Fußball zu sehen ist, wird dann beim Anhören beantwortet – von einer, die sich auskennt.