Toni Mahoni trifft eine vegetarische Feministin
In seinem Debüt als Schriftsteller entfaltet sich Mahoni, der sein Talent zum Geschichtenerzählen in seinen Videoblogs und als Musiker bereits ausgiebig bewiesen hat, als Romantiker, der die Poesie des Alltags nicht nur in wild oder geregelt wachsenden Blumen, sondern auch in Essensresten, dreckigem Geschirr und Alteisen entdeckt. Er vermittelt geradeaus, wie sich (auch/sogar) mit einer nicht rauchenden, vegetarischen Feministen eine funktionierende Beziehung entwickeln und aufrechterhalten lässt, welche Rolle die Insel Rügen dabei spielt, und worin die besonderen Schwierigkeiten bei der Suche nach einem Paar anständiger Turnschuhe in Mitte liegen.
Als Autorenlesung funktioniert das alles auch wunderbar. Überhaupt gehört Gebratene Störche ohnehin von niemand anderem als Mahoni selbst vorgetragen, denn Werk und Künstler bzw. Kunstfigur kann man sich hier nur schwer voneinander getrennt vorstellen. Und da man Mahoni, der anscheinend das Vermögen hat, die Unstimmigkeiten des Alltags im Rauch seiner Selbstgedrehten aufgehen zu lassen, alles verzeihen kann und möchte, kann man auch nur schwer einen Grund zum Mäkeln finden, während man sich das Hörbuch zu Gemüte führt.
Die einzelnen Episoden von Gebratene Störche erzählen in chronologischer Reihenfolge, wie Mahoni mit stoischer Gelassenheit, mit nicht viel mehr als mit Tabak und Blättchen ausgestattet, und unterstützt von seinen skurrilen Freunden, die Fallstricke des Lebens spielerisch umgeht und wieder einen Anlass findet, die Schönheit der Schöpfung mit einer Feier zu huldigen. Tiere spielen dabei immer zumindest eine Nebenrolle – die Story hangelt sich konsequent an den lebenden oder lecker zubereiteten Vertretern diverser Gattungen entlang. Dabei verzeiht man Mahoni, dessen raues Timbre an Tom Waits erinnert, dass die spaßigen Anekdoten, die sich u.a. um gelungene Aktionskunst, die Vorzüge des Landlebens, ausufernde Schlachtfeste, leidige Nebenjobs und rührende Liebesbezeugungen drehen, nicht selten arg konstruiert und bisweilen ziemlich klischeehaft sind. Und auch seinen (wohl unvermeidlichen) Friedrichshainer Lokalpatriotismus.
Beim eigenen Lesen seines literarischen Erstlingswerkes würde einem das bestimmt nicht ganz so leicht fallen.