Ulrich Noethen ist Mark Twain
Grandios ist auch diese Hörspielinszenierung. Unter den Südstaatenklängen der Ambrosius Stompers durchleben Tom und Huckleberry ihre Abenteuer, sie brüllen, weinen, lachen, sie ängstigen sich, sie sind voller Mut und Zuversicht. Kostja Ullmann und Patrick Güldenberg setzen ihre Rollen hervorragend um, Ulrich Noethen gibt einen bestechenden Mark Twain – die hohe Qualität der Sprecher reicht bis weit in die Nebenrollen. Eine hochkarätige Sprecherriege macht allerdings noch kein gutes Hörspiel, hervorzuheben ist die Regiearbeit von Alexander Schuhmacher, der es versteht, die Episoden so miteinander zu verknüpfen, dass es keinen Leerlauf gibt, dass dieses „Roadmovie auf dem Wasser“ (Matthias Matussek) aber auch nicht zu überbordend wird. Einzig die Geräusche sind teilweise etwas zu aufdringlich, nicht in jeder Szene müssten Grillen zirpen oder irgendetwas rascheln und knistern, doch das fällt nicht weiter ins Gewicht. Eine kluge Textbearbeitung, das richtige Tempo, ein feines Gespür für Dramaturgie – diese Produktion wird hoffentlich viele Kinder an die Texte heranführen.
Und was ist mit den Älteren? Mark Twain schrieb seinen Tom Sawyer und seinen Huckleberry Finn nicht „nur“ für Kinder, er schrieb sie genauso für Erwachsene, die sich daran erinnern sollen, woher sie kommen, welche „kindlichen“ Eigenschaften sie aufgegeben haben, obwohl sie ihnen vielleicht noch immer gut zu Gesicht stünden. In diesem Sinne ist diese Hörspielbearbeitung eine sehr gute Erinnerungsstütze. „Wo ist Huck?“, fragen die Romanfiguren immer wieder. „Wo ist Huck heute?“, fragen wir uns. Keine Sorge: Er ist hier!