Kennzeichen T - 25.05.2012 Thomas Kistner: Fifa-Mafia von Michael Ebmeyer David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Der FUTTERblog - streng verdaulich!
Samstag, 26. Mai 2012 | 02:05

 

Polina Daschkowa: Club Kalaschnikow.

14.03.2004

 

Russland, der Teenager

Polina Daschkowas Erfolgskrimi
Club Kalaschnikow handelt vom neusten Russland, von Serienmördern, der Mafia und naturgemäß vom Todesdreieck Liebe, Geld und Wahn. Der WDR tafelt jetzt mit dem Hörspiel recht gediegene Kost auf - und gottlob wenig Wodka.

 

"Viel Action, aber immer wieder auch ein Hauch der typisch russischen Seele", schrieb die Zeitschrift Madame bei Erscheinen der Buchausgabe. Mehr irren kann man sich nun wirklich nicht. Denn das wäre, was meistenteils hinter einem russischen Krimi vermutet wird. Die kluge Daschkowa enttäuscht aber jene Simpel.

"Polina Daschkowa schreibt in der Tradition des großen russischen Romans", meinte die Deutsche Welle. Nun, sie sagt wirklich ein paar aufgeweckte Sachen über Dostojewski, beispielsweise: "Wenn Sie über jemanden etwas herausbekommen wollen, was er selbst nie über sich sagen würde, dann unterhalten Sie sich mit ihm über Dostojewski." Ist sie ihm deshalb ebenbürtig? Ein anständiges Stück Kriminalliteratur ist verfasst worden - und das ist doch schon allerhand.

Gauner und Grazie

Jekaterina Filippowna Orlowa (reizvoll von Dörte Lyssewski gesprochen), eine überaus erfolgreiche Balletteuse mit eigenem Theater, sucht den Mörder ihres exzentrischen Gatten Gleb Kalaschnikow (Götz Argus, leider zu wenig), der in ihren Armen erschossen wird. Die Spur führt - wie sollte es auch anders sein - in viele Richtungen. In der Unterwelt zerfleischt sich das Mafiakollektiv der Paranoiker und Sadisten. Geliebte, Ungeliebte und Ex-Geliebte (darunter Anna Thalbach) zerkratzen sich gegenseitig die schönen Fassaden. Bald schon gibt es neue Leichen.

Die Dramaturgie des Hörspiels ist klar, nicht zu gestrafft und der Plot funktioniert auch hier tadellos. Störend sind einige Abmischungsschwächen, bei denen entscheidende Textpassagen fast untergehen. Ansonsten aber eine schmucke Produktion, die sich der Verlockung vieler Klischees zu enthalten weiß.

Fabelwelt des Obskuren

Der Krimi, grauenhaftes Märchen der Erwachsenen. Der Serienmörder, Wiedergänger unserer Urangst, endloses Faszinosum. Das Motiv, immer eine der sieben Todsünden. Schräge Typen, Archetypen, alles da. Darin verkeilt wir selbst. Polina Daschkowa weiß mit so was umzugehen und hält den inneren Kitzel - und damit uns Suchtverlorene - immer wach. Gerade die Ballerina als Ermittler ist da adäquat gewählt, gondelt sie doch als Ebenbild der Reinheit über allem Dreck und aller Verruchtheit. Wer hier Schwarz-Weiß-Schemata ausmacht, dem sagen wir: Daschkowa ist eben eine abgrundtiefe Moralistin. Da ist in Datscha, Duma, Sauna dann auch wenig Platz für Humor. Und hinter allem dräut das Schmachten nach neuer Ordnung. Tja, hier wird die Autorin einmal selbst zum russischen Gemeinplatz.

Christoph Pollmann


Polina Daschkowa: Club Kalaschnikow. Kriminalhörspiel mit Dörte Lyssewski, Anna Thalbach u.v.a. DER AUDIO VERLAG 2004. 2 CDs. Laufzeit 114 min. Produktion: Westdeutscher Rundfunk Köln. 19,95 Euro. ISBN: 3-89813-262-5.

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Maler der Farben und Formen

Üppige Figuren und bunte Farben sind die Markenzeichen des kolumbianischen Malers Fernando Botero. Anlässlich seines 80. Geburtstags zeigt die Galerie Samuelis Baumgarte Bilder, ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...