Die wünschenswerteste aller Besetzungen
Gesprochen werden die Protagonisten von Jan Weiler, dem ehemaligen Werbetexter und Autor der Uwe-Trilogie. An seiner Seite steht Sabine mit der Stimme von Annette Frier, die momentan in der Titelrolle der „Anwalt-der-kleinen-Leute“-Serienschmonzette „Danni Lowinski“ reüssiert. Beide sind als Sprecher ein echter Glücksfall. Annette Frier ist eine talentierte und erfahrene Komödiantin, die die weibliche Ambivalenz zwischen Anziehung und Abstoßung vom männlichen Geschlecht gekonnt auf die Schippe nehmen kann.
Jan Weiler kennt seine Figur Uwe als Autor besser als jeder andere und ist schon alleine deshalb die beste und wünschenswerteste aller Besetzungen. Er muss sich den Uwe nicht aus fremdem Text erarbeiten, er hat ihn erfunden. Sein Uwe changiert glaubhaft zwischen wortgewaltigem Soziopathen und melancholisch-resigniertem Loser. Da drängt sich die Frage auf, wie viel vom Charakter des Uwe Jan Weiler aus der eigenen Biographie entlehnt hat. Hoffentlich nicht zu viel, das wäre zumindest seiner Umgebung zu wünschen. Sprachtalente gehen oft in die Werbung, was dazu führt, dass dem literarischen Betrieb manchmal die besten Kräfte verloren gehen. Bei Jan Weiler ist es zum Glück umgekehrt verlaufen. Nach einem beruflichen Werdegang als Werbetexter und Journalist hat er seit 2003 mit dem Bestsellerroman „Maria - ihm schmeckt`s nicht!“ den Weg zurück in die künstlerische Produktion gefunden.
Sabine findet ihren Ex Uwe auf der Weihnachtsinsel (als diese entpuppt sich der abgelegene Ort im Verlauf der Handlung) völlig verändert vor. Er hat sich Gedanken über sich gemacht, will ein ganz „neuer Uwe“ sein und findet zu neuer Offenheit. Angesichts der mittlerweile zurückliegenden Beziehung können sich Uwe und Sabine wieder aufeinander einlassen, sich sogar gegenseitig Seitensprünge beichten. Ob und wie lange dieser Sinneswandel bei Uwe vorhält, soll hier nicht verraten werden.
Nach "Liebe Sabine" und "MS Romantik" ist dieser dritte Teil der Hörspiele um Uwe der dichteste und unterhaltsamste. Längen gibt es nicht, die Story fesselt und kann glänzend unterhalten. Köstlich sind die ungelenken Annäherungsversuche von Uwe, amüsant die Figur der Sabine, die zwischen taffer Ablehnung Uwes und Sehnsucht nach Beziehung hin und her taumelt. Man muss auch die vorhergehenden Teile nicht unbedingt gehört haben, um die Story zu verstehen. Dieses Werk ist als Präsent unter dem Weihnachtsbaum von Singles sicher eine gute Wahl. Vielleicht kann es dem einen oder anderen gebrochenen Herzen dazu verhelfen, den vermeintlichen Frust eines vereinzelten Daseins als Gnade zu begreifen.

