Manchmal übers Ziel hinaus
Unterschnitten sind diese fiesen Männer mit den Gedanken eines pubertierenden Jungen, der im Bad den Sprung vom Turm wagen will. Die körperliche Reifung hat er hinter sich gebracht, »Dein Sack ist jetzt voll und verletzlich« - jetzt muss er nur noch springen und möglichst cool dabei aussehen. Fast wirkt dieser, in allen Einzelheiten beschriebene, letztlich doch zögerliche Sprung wie eine Art symbolischer Initiationsritus der Männlichkeit an sich.
Die Hörfassung kann in Anbetracht der Spieldauer von etwa einer Stunde natürlich nicht alle Texte des Buches wiedergeben. Geschadet hat das nicht. Während der Rezensent der Frankfurter Rundschau, Martin Lüdke, dem sonst einhellig gelobten Werk einen etwas ermüdenden Charakter attestierte - das Hörbuch ist knapper geraten und durchweg unterhaltsam. Müdigkeit kommt da nicht auf. Das mag zum Teil auch an der durchaus gewagten akustischen Umsetzung liegen. Bearbeiterin, Regisseurin und Klangkomponistin Antje Vowinckel hat zahlreiche, teils etwas gewöhnungsbedürftige Soundeffekte eingestreut. Mal sind es Geräusche, die an alte Drucker erinnern, teils wirres Gezupfe oder absichtlich primitive Melodien, die ebenso mechanisch anmuten, wie der eine oder andere der fiesen Kerle. Das ist in sich schlüssig, untermalt den Text mit treffenden Geräuschbildern und gibt Struktur.
Manchmal ist die akustische Bearbeitung allerdings etwas über das Ziel hinaus geschossen, so sinnvoll die Effekte und atmosphärischen Hintergründe auch sein mögen. Teilweise hört sich das an wie ein ausgewachsener Tinnitus, weil einem da geradezu inflationär ein Zigtausend-Hertz-Ton um die Ohren gehauen wird. Tatsächlich vermutete der Rezensent anfangs erschrocken einen Defekt seines Abspielgerätes, musste jedoch anhand eines zweifellos sauber arbeitenden Zweitgerätes feststellen, dass das unerträgliche Gefiepe wirklich als Stilmittel eingesetzt worden ist. Das ist recht mutig. Kunst darf schon mal weh tun, aber muss man deshalb dem Hörer gleich das Trommelfell mit der Nervensäge punktieren? Vielleicht ja, denn die fiesen Männer sind in ihrem unablässigen Machogeschwätz eben selbst fürchterliche Nervensägen.
Auch die »depressive Person« die diese Hörfassung abschließt, reiht sich da ein - allerdings mit gebrochenem Selbstbewußtsein. Ihren Zustand beschreibt Wallace so: »Die depressive Person befand sich in einem Zustand unausgesetzter psychischer Qualen und die Unmöglichkeit diese Qual jemandem mitzuteilen, war Teil des Zustandes und verantwortlich für seinen eigentlichen Schrecken.« Dieser Art Schrecken ist der gefeierte Autor wohl schließlich selbst erlegen, als er im September 2008 in seinem Haus in Kalifornien den Freitod wählte.

