Keine Zeichentrickroboterschlacht aus dem Unterschichtenfernsehen
Auch wenn Adorf nicht singt, das Gesprochene ist mit Musik unterlegt, was recht angenehm miteinander korrespondiert. Deutlich hörbar ist auch, dass Produzent Gunther Mende alle Register der digitalen Bearbeitungskunst gezogen hat, um die ohnehin tolle Stimme Adorfs noch weiter aufzubrezeln. Da hätte auch weniger gereicht, denn ein Interpret dieses Formats braucht an und für sich keine technische Nachhilfe. So einen hört man auch »trocken« gerne. Die Idee, einen Teil der Lieder zu singen und einen Teil nur zu sprechen, soll laut Legende der Produktionsfirma übrigens vom alten Adorf selbst gekommen sein.
Abwechselnd mit dem rüstigen Mimen gibt die koreanische Sängerin Mee Eun Kim Kostproben ihres Könnens. Der ehemalige asiatische Kinderstar von zierlicher Gestalt und beeindruckender Schönheit singt genau so, wie er aussieht. Ihre elfenhafte Stimme kontrastiert den alten Brummbären Adorf, zart, hell und schmeichelnd ist ihr Gesang. Ihre winzige R-Schwäche, die vielen Asiaten zu eigen ist, weil ein Gutturallaut, wie der uvulare Vibrant »R«, in asiatischen Sprachen nicht existiert, war geeignet, dem Rezensenten endgültig das Herz und den Verstand zu rauben. Es ist wirklich in höchstem Maße entzückend: »Guten Abend, gut Nacht - mit `osen bedacht...« - das hat einen nicht zu verleugnenden Charme.
Was allerdings »Urmeli - schlaf friedlich!«, ein Schlaflied für das Urmel aus dem Eis, dem lustigen Dinosaurier von Max Kruse, zwischen den meist historischen Klassikern zu suchen hat, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Mee Eun Kim zirpt aber auch dieses Lied sicher ins entspannende Ziel. Den hauptsächlichen Adressaten dieser CD, nämlich Kindern, bzw. deren Eltern, dürfte es ohnehin herzlich egal sein, ob die Zusammenstellung puristischen Maßstäben genügen kann.
Auf jeden Fall ist dieses Werk gut geeignet, im Vorfeld abendlichen Zubettgehens einige innige Minuten mit seinen Wänstern zu verbringen. Sie schlafen da sicher um einiges leichter ein, als nach einer Zeichentrickroboterschlacht im Unterschichtenfernsehen. Bleibt noch zu erwähnen, dass auch ein Booklet mit allen Texten beiliegt - falls man mal mitsingen möchte.

