TATORT (ORF) - Kein Entkommen (05.02.2012) Ralf König: Der dicke König Kernnzeichen T - 27.01.2012 Hugo Cabret (USA 2011) - jetzt im Kino! Zum Tod der Literatur-Nobelpreisträgerin Wislawa Szymborska Eine Deutschemichelnachtzipfelzubettgehtirade
Donnerstag, 09. Februar 2012 | 13:19

David Benioff: Alles auf Anfang

26.07.2010

Merde bringt Glück!

Nach dem Bestseller Stadt der Diebe erweist sich David Benioff auch als Meister über die kurze Distanz. Ein begnadeter Geschichtenerzähler mit dem Gespür für die Macht des Augenblicks – und den Humor, der aller menschlichen Tragik beiwohnt. Von TOM ASAM

 

Alexander sitzt im Flugzeug. In seiner eigenen Scheiße! Nachdem Passagiere und Flugbegleiterinnen feststellen, dass der unsäglich Gestank nicht dem Baby in der Reihe hinter ihm zuzuschreiben ist, wendet sich die Aufmerksamkeit Aller ihm zu. Zunächst versucht man es noch mitfühlend und Hilfe anbietend. Doch als Alexander einfach nicht reagiert und stur vor sich hin starrt, entgleist die Lage allmählich. Während alles um in herum immer hektischer wird, scheint er seinen Körper zu verlassen und mittels Gedanken in eine Zeit des Glücks zu reisen. Ausgefallene, dem Hedonismus und dem Körperkult gewidmete Partys und ein Leben mit dem schönen Hector ziehen vor seinen Augen vorüber. Nach und nach erfährt der Leser wie nahe Himmel und Hölle einander doch immer wieder sind und dass es weitaus mehr ist als die Folgen einer Magenverstimmung, was Alexander in seine missliche Lage gebracht hat.

 

Genickbruch und Schmetterlinge im Bauch

In Barfuß im Klee lernen wir Leon kennen, der einst auf dem besten Wege zum allseits vergötterten Football-Star war. Bis ihm ein Genickbruch einen Strich durch die Rechnung macht. Vierzehn Jahre später arbeitet er in der Versicherungsgesellschaft des Vaters mit und führt ein gleichförmiges, einsames Leben. Da beschließt er, sich auf die Suche nach der Frau seines Lebens zu machen. Mit der er immerhin einen ganzen Nachmittag verbracht hatte. Im „geliehenen“ 1955er Eldorado- Cabrio, mit The Clash im Kassettendeck, Schmetterlingen im Bauch, einem Tiger im Tank und einem Leben voller Verheißungen vor dem Kühlergrill. Wohin die Reise geht?

 

Who cares?, denn „die Fahrt ist doch das Schönste!“ Natürlich wissen wir, dass sich sein Traum nach dem großen Wiedersehen, dass für alle Leiden entschädigt, nicht erfüllen wird. Doch  trotzdem gibt es im Detail immer wieder überraschende Entwicklungen in den kleinen Alltagsdramen Benioffs. Welcher durch seine technische Perfektion genauso überzeugt, wie mit seinem Gespür für den Mann auf der Straße und die Fähigkeit, Typen zu stilisieren ohne sie zu überzeichnen. Das hat zur Folge, dass dem Gedanken „Eine Story geht noch vor dem Schlafengehen“ eine kurze Nacht und ein schnell ausgelesenen Buch folgen. Hoffentlich kommt Benioff, der mittlerweile hauptsächlich als Drehbuchautor (u.a. Troja) tätig ist, auch mit wenig Schlaf aus und legt bald weitere Zeugnisse seiner Fabulierkunst vor!

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Die Faszination des Grauens

Kaum ein Werk der Weltliteratur hat, sieht man einmal von der Bibel ab, so viele Künstler unterschiedlicher Epochen und Stilrichtungen zur Umsetzung ins Bildmedium angeregt. Die ...

Schweizerinnen auf dem Vormarsch?!?

Wer fällt Ihnen ein, wenn Sie an starke Schweizer Frauen denken? Wenigstens irgendeine Frau? Frau? Fühlen Sie sich nicht zu schlecht, wenn Ihnen zu dem Land, in dem die Frauen erst 1971 ...

Harder.
Faster.
Louder!

Frank Schäfer, mit universitären Würden ausgestatteter Geisteswissenschaftler, Autor, Kritiker, Hobbymusiker und eingefleischter Metal-Fan hat eine Interviewsammlung zum Thema Heavy ...

Alles, nur kaum Eier

Verrückte Hühner kennen alle – kein Zweifel, dass es sie wirklich gibt. Heinz Janisch erzählt, wie ein Bauer an seinem jedoch fast verzweifelt. Sein verrücktes ...

Vertrauen, hoffen, lieben

Gewichtige Worte und Werte von ebensolchem Gewicht findet man in diesem Buch. Was man gleichfalls findet, ist sind die Pendants, Einsamkeit, Leid, und Wut. Es ist ein Buch der Extreme und ein Buch ...

Autopsie eines Phänomens

Stefan Lüddemanns Buch Blockbuster über gleichnamiges Ausstellungsphänomen beschreibt gekonnt sowohl die Hintergründe wie auch die Funktionsweise dieses Typs von ...

Movie Mystery Theater 1931

»Kino ist ein besonderer Ort, an den wir gehen können, um etwas zu sehen.« So erklärt Hugo Cabret sein zentrales Motiv. Die Worte, die mit ...