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Van Hamme / Sterne / De Spiegeleer / Aubin / Schréder: Die Abenteuer von Blake und Mortimer. Der Fluch der dreißig Silberlinge Teil 1+2

13.10.2011

So wie einst Indiana Jones

Das Doppelalbum Der Fluch der dreißig Silberlinge der erfolgreichen frankobelgischen Comic-Serie Die Abenteuer von Blake und Mortimer wandelt auf den Spuren sowohl der griechischen wie auch der christlichen Mythologie und überzeugt dabei mit solider Qualität. Von CHRISTOPHER FRANZ

 

Nicht erst seit den Erfolgen der Bücher Dan Browns und seiner Adepten und dem Hype, der um deren Verfilmungen gemacht wurde, sind Geschichten, in denen es um die Geheimnisse des Christentums geht, hoch im Kurs. Schon »Indy« machte sich in den 1980er Jahren auf die Suche nach der Bundeslade oder dem Heiligen Gral. Ein Blick in die Regale der Läden zeigt, dass auch im Comic dieses Thema in den vergangenen Jahren vermehrt behandelt wurde.

 

Nun begeben sich sogar Blake und Mortimer in ihrem neuen, routiniert erzählten Abenteuer auf die Suche nach einer fast schon unerhörten Wahrheit. Damit folgen sie aber nicht nur einem aktuellen Trend; die Geschichte steht ebenso in guter Tradition des Schöpfers der Serie, Edgar P. Jacobs. Schon er schickte die beiden Helden auf (archäologische) Entdeckungsreisen nach Ägypten (Das Geheimnis der großen Pyramide, Band 1+2) oder gar dem sagenumwobenen Atlantis (Das Geheimnis von Atlantis, Band 7).

 

Dabei gestaltete sich die Produktion von Der Fluch der dreißig Silberlinge  äußerst schwierig. Als Jean Van Hamme 2004 das Szenario schrieb, fehlte ihm ein Zeichner für die Geschichte – der bisherige, Ted Benoit, fiel auf Grund anderer Projekte aus. Nach langer Suche fand man in René Sterne den idealen Ersatz. Doch noch vor Vollendung des ersten Bandes starb dieser 54-jährig im Jahr 2006 und das Projekt kam vorerst zum Erliegen.

 

Nach Monaten der Trauer machte sich Sternes Lebensgefährtin Chantal De Spiegeleer, ebenfalls Comiczeichnerin, daran, die Arbeit ihres Mannes zu beenden. Für den zweiten Teil begann erneut die Suche nach geeigneten Künstlern, die mit den hierzulande fast unbekannten Antoine Aubin und Étienne Schréder ein gutes Ende fand.

 

Einmal rund ums Mittelmeer

Die Geschichte beginnt mit einem unbedeutenden Erdbeben in Griechenland. Die Befreiung Colonel Olriks, des Erzfeindes der beiden Hauptfiguren, kurz darauf aus einem amerikanischen Gefängnis scheint dagegen schon gefährlicher zu sein. Captain Blake begibt sich auf Ersuchen der dortigen Behörden sofort in die USA um bei der Suche nach dem flüchtigen Schurken zu helfen. Professor Mortimer hingegen reist, der Bitte des Chefkonservators des Archäologischen Nationalmuseums in Athen nachkommend, nach Griechenland. Das Beben  auf dem Peloponnes gab einen Zugang zu einer Grotte frei, die als Zufluchtsort und Kirche der frühen Christen genutzt wurde. Und das, was in den dort aufbewahrten Schriftrollen steht, widerspricht in so manchem Punkt der jahrhundertealten Überlieferung aus den Evangelien.

 

Die beiden Helden gehen also – jeder für sich von charismatischen Nebenfiguren unterstützt – getrennter Wege, nichtsahnend, dass die Geschichte und das Schicksal sie zu Beginn des zweiten Bandes wieder zusammenführen wird. Natürlich hat Olrik seine Finger im Spiel und befindet sich mit der Jacht seines Fluchthelfers, des undurchsichtigen Großindustriellen Belos Beloukian, schon auf dem Weg ins Mittelmeer. Im Verlauf der Handlung entspinnt sich eine wahre Katz-und-Maus-Jagd durch das Ägäische Meer sowie durch die griechische Mythologie und die Vergangenheit des Christentums.

 

Welcher Entdeckung sind die Abenteurer auf der Spur? Für was möchte der skrupellose Millionär Beloukian diese Entdeckung missbrauchen und was führt die geheimnisvolle Organisation Odessa (Organisation der ehemaligen SS-Angehörigen) im Schilde? Kann schließlich das phantastische Finale am Eingang zur Hölle Mortimers Glauben an die Wissenschaft erschüttern?

 

Viele Köche und doch kein Einheitsbrei

Es ist immer wieder eine Freude, Blake und Mortimer bei ihren Abenteuern zu begleiten.

Und das obwohl - oder gerade weil - sie so unzeitgemäß daher kommen. Die Textlastigkeit und die gestelzte Sprache gelten schon als Qualitätsmerkmale der Serie. Aber auch die Zeichnungen der beiden Bände mit ihrem Verzicht auf jegliche – heute ansonsten übliche – visuelle Effektgewitter können gerade dadurch überzeugen. Das ist nicht nur dem Zeichenstil der Ligne claire mit seiner vereinfachten Darstellungsweise geschuldet, sondern auch der fast schon wissenschaftlichen Akribie, mit der die Geschichte und die Zeichnungen gestaltet wurden. Dass daran vier verschiedene Zeichner gearbeitet haben, kann nur ein geschultes Auge erkennen.

 

Im Mittelpunkt steht immer die Handlung und diese ist intelligent und ideenreich konstruiert. Manchmal vielleicht mit einem Twist zu viel. Van Hamme kam die Idee zur vorliegenden Geschichte auf einer Ferienreise durch Griechenland. So konnte er gleich vor Ort recherchieren und die Eindrücke von Orten und Landschaften aufnehmen. Und das merkt man Dem Fluch der dreißig Silberlinge auch an. Die Abenteuer von Blake und Mortimer sind durch ihre Qualität und erzählerischen Anspruch eine feste Größe in der Welt des (europäischen) Comics. Und sie werden es hoffentlich noch lange bleiben.

 

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