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Samstag, 26. Mai 2012 | 02:13

Joe Henry: Reverie

13.10.2011

Des Schwagers Träumereien

Joe Henry ist ein außerordentlicher Songwriter und Produzent. Einer, der von fruchtbaren Kooperationen und emotionalen Alben lebt und sich nicht zu sehr um den ganz großen kommerziellen Durchbruch zu kümmern scheint – ganz im Gegensatz zu Madonna, der Schwester seiner Frau. Von TOM ASAM.

 

Joe Henry veröffentlicht seit den 80ern Musik. Mit seinem dritten Album, dem von T-Bone Burnett produzierten Shuffletown, fand er sich in das Fahrwasser des AltCountry ein. Im Mittelpunkt der folgenden Alben standen dann auch die Jayhawks, die quasi zu seiner Backingband wurden. In der Folge wurde die Arbeit Henrys schwerer zu kategorisieren. Irgendwo zwischen den Koordinaten Rock, Jazz, Folk und AltCountry sorgte er beständig für gelungene Alben. Ein kleines Namedropping musikalischer Partner zeigt seine stilistische Vielfalt zum einen, die Anerkennung in Musikerkreisen zum anderen: Ornette Coleman, Elvis Costello, Allen Toussant, Solomon Burke oder, ja: Madonna. Von der Kritik etwas aus seinem Werk herausgehoben wird gerne das Album Trampoline aus dem Jahr 1996, bei dem Gitarrist Page Hamilton (hauptsächlich für seine Arbeit mit den heftigen Helmet bekannt!) beteiligt war.

 

Reverie macht das Dutzend an Alben mit Grandezza voll. Überwiegend akustisch, ruhig aber kraftvoll kommt es daher. Selbst produziert in Formvollendung; da merkt man, dass Henry schon damals T-Bone Burnett auf die Finger geschaut hat. Überhaupt kommen einem beim Hören viele ehemalige Wegpartner Henrys und andere große Namen in den Sinn, dabei behält er dennoch stets seine eigene Ausdruckskraft. Die Kauzigkeit Tom Waits taucht hier in ›kultivierter‹ Weise auf, ungefähr so, als hätte dieser mit Elvis Costello ein Album aufgenommen, bei dem auch das Piano eine gewisse Rolle spielt. Aber auch ein Randy Newman kommt einem hin und wieder in den Sinn, nicht zuletzt aufgrund der Art und Weise, wie Henry in verschiedene Erzähler-Rollen schlüpft. Etwas, was das amerikanische Publikum in den Glanzzeiten von Newman nie kapierte. Henry schreibt auch gerne Songs über/für tragische, gegen den Strich gebürstete Musiker-Persönlichkeiten. Nach Songs über Richard Pryor und Charlie Parker geht es in Room at Arles um Vic Chesnutt – den wir  hier mit dunklen Wolken im Kopf in seinem Rollstuhl sitzend vor Augen sehen. »Every Song I´ve ever sung, has been a song for going.«

 

Reverie ist ein großartiges Album voller Melancholie und Liebessongs der anderen Art. Love Songs, die von der Hingabe an das Leben mit all seinen Widersprüchen und (inneren) Kämpfen erzählen. Dürfte auch jenen gefallen, die Wilco zwar noch gut finden, aber den gewissen Altherren-Rock-Gestus, der ihrem neuen Album innewohnt, gegen eine introvertiertere Herangehensweise getauscht sehen bzw. hören wollen.

 

 

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