Jüngere Rockfans mögen die Walkabouts als Newcomer wahrnehmen, denn die sechs Jahre, die seit dem letzten Album Acetylene vergangen sind, sind in der heutigen Musikszene eine Ewigkeit. So eine lange Auszeit kann man sich nur gönnen, wenn man gefestigt ist und eine treue Stammkundschaft vorweisen kann. Was bei den Wegbereitern einer alternativen Folk- Rockbewegung mit Sicherheit der Fall ist. Die 1984 in Seattle gegründeten Walkabouts mögen eine Zeit im Schatten des Grunge gestanden haben. Davon ist nicht wirklich noch etwas übrig. Und während Pearl Jam langweiliger als die Rolling Stones geworden sind, stehen die Walkabouts ganz gut da.
Viele vermuteten das Ende der Band, da das letzte Album für ihre Verhältnisse mächtig rockte und so einem letzten Paukenschlag gut entsprochen hätte. Zudem lebt Songschreiber Chris Eckman seit Jahren in Slowenien. Nun sind sie doch zurück. Und obwohl durch Paul Austin (Willard Grant Conspiricy, Transmissionary Six!) um einen zweiten Gitarristen ergänzt, kommt Travels in the dustland ruhiger und differenzierter daher: Streicher und Keyboards bekommen ihr Recht und tragen zu einem sehnsuchtsvollen Klang bei, der den Ausflug ins Dustland eindrücklich in Töne umsetzt. Besonders effektiv sind dabei die Songs, in denen Co-Sängerin Carla Torgerson in den Vordergrund tritt. Dustland »ist ein symbolischer Ort, der aber viele Charakteristika von realen Orten hat« erklärt Eckman.
Es handelt sich hierbei um kein Konzeptalbum, das imaginäre Dustland – man denke dabei an den Südwesten der USA – ist dennoch die Grundidee an dem sich die sehnsuchtsvollen Lieder der Walkabouts entlanghangeln. Wie gut ihre Songs zur gedanklichen Untermalung von Weite und Freiheit taugen, merkte vor Jahren bereits eine bekannte Outdoor-Marke. Ein entsprechender Werbeclip mit Walkabouts-Untermalung ist bis heute im TV zu sehen. Einige jüngere Rockfans haben die Walkabouts also doch schon gehört – sofern sie dieses antiquierte Medium noch nutzen. Es lohnt sich mit zu gehen, mit den Walkabouts.