Vom Boxer bis zum Pfarrer
Da ist das Kindermädchen Janina, das die Familie ihres früheren Arbeitgebers ins Warschauer Ghetto begleitet und schließlich die gesamte Familie nebst zwanzig weiteren Juden rettet, indem sie eine Wohnung im »arischen« Teil der Stadt mietet. Derlei Geschichten von einem Boxer, von Pfadfindern und Pfarrern sowie Organisationen und Rettungsgruppen sind es, die Lustigers Buch so lesenswert machen. Sie füllen den Begriff des Rettungswiderstandes mit Leben und stoßen ganz ohne erhobenen Zeigefinger die Frage an, was man selbst wohl getan hätte.
Bemerkenswert ist auch, dass Lustiger jede Form der Hierarchisierung ablehnt. Lediglich die Kategorisierung nach Ländern dient als roter Faden, sonst gibt es keine Unterteilung: Da stehen spektakuläre neben kleinen Rettungsversuchen, in manchen Fällen wurden viele Juden versteckt, dann wieder nur einer und es spielt für Lustiger auch keine Rolle, ob die Rettungsversuche am Ende erfolgreich waren oder nicht. Wichtig ist ihm einzig, die Erinnerung an die »Bereitschaft der Retter, ihre und ihrer Angehörigen Freiheit, Gesundheit und Leben einzusetzen, um denen ihnen manchmal unbekannten Menschen beizustehen und sie zu retten« (S. 15).
Arno Lustiger hat mit Rettungswiderstand einen wertvollen Schatz an Geschichten und Erinnerungen zuerst gehoben und nun zusammengetragen. Es ist ein lesenswertes Buch, das nicht nach dem Erfolg von Zivilcourage fragt, sondern an den Mut einzelner Menschen erinnert, die angesichts der barbarischen Judenverfolgung über sich hinaus gewachsen sind.