Auch wenn Susan Weinert die Frontfrau, Namensgeberin und musikalischer Kopf des Trios und ihrer vielen Projekte ist, auf der Bühne hält sie sich eher im Hintergrund. Da führt ihr Mann Martin durch den Abend, da ordnet sie sich ein, sind die drei Musiker gleichberechtigt.
»Der Name hat sich über 25 Jahre etabliert. Deswegen steht mein Namen oben und dann kommt das Zubehör. Wir sagen immer im Scherz: Susan, das bin ich. Weinert ist mein Mann und der Rest sind die, die mitspielen.«
Und das kann - je nach »Zubehör« - äußerst unterschiedlich sein: meditative, akustische Weltmusik oder fetziger, schräger Jazz-Rock. Und bei allen eigenen Wegen, die Susan Weinert inzwischen geht, so versteht sie sich immer noch als Jazz-Musikerin.
»Jazz? Das ist etwas, was einen ganz tief berührt. Als ich angefangen hatte, und noch keine Ahnung hatte, was da abgeht, da war ich auf einen Jazz-Workshop und habe den Saxophonisten David Liebman gehört. Ein unglaublicher Mann. Er hat mit Richie Beirach zusammen gespielt. Ich habe nicht verstanden, was die gemacht haben. Far out! Aber: Der Mann hat so eine Energie, so eine Magic gehabt, dass ich in der ersten Reihe wie eine Dali-Uhr weggeschmolzen bin. Mein Herz wurde entflammt. Das hat mich im Innersten berührt. Da habe ich gesagt: Wow. Das möchte ich lernen.«
Und das hat sie dann auch getan. Sie hat viel gelernt, gearbeitet und geübt. Sie lernte unter anderem bei David Liebman und Richie Beirach, bei John Abercrombie und Mike Stern. Sie nahm Einflüsse unter anderem von Pat Metheny, Scott Henderson, Charlie Parker, Miles Davis und Wes Montgomery auf. Sie spielte mit Mike Mainieri, Jimmy Earl (Bassist von Chick Corea) und mit Michael Ruff (Keyboarder von Chaka Khan).
»Jazz besteht aus viel Handwerk, das man nicht hören darf. Was du den Leuten verkaufst, ist nicht das Handwerk, sondern das Herz. Du musst dein Handwerk verstehen, um dein Herz sprechen zu lassen. So lange zu arbeiten, dass es leicht klingt. Das ist die Kunst.«
Und so begann für sie vor über 25 Jahren eine Reise, die nie zu Ende geht. Eine Reise, die schon zehn sehr unterschiedliche CDs hervorgebracht hat.
»Es ist wie das Universum. Du entdeckst immer neue Sterne und denkst. Wow. Lass uns den erkunden. So ist es mit der Musik auch. Du empfindest manchmal neue Klangräume, und du bist völlig fasziniert und arbeitest und arbeitest und denkst, das und das kann man noch machen.«
Und dann gibt es wieder einen neuen Stern und die Reise geht weiter.
Bis Mitte November touren Susan Weinert, Martin Weinert und David Kuckhermann noch zusammen durch Deutschland. Danach geht es in die heimische Klause im saarländischen Neunkirchen, wo Susan dann wieder Zeit und Ruhe hat, um neue Welten zu entdecken.
